Regionalnachrichten

Sachsen-AnhaltWarum Moore bei Trockenheit Treibhausgase freisetzen können

15.08.2026, 08:01 Uhr
Wenn-Moore-zu-trocken-sind-koennen-sie-Kohlenstoffdioxid-freisetzen

Moore speichern Kohlenstoff und bieten seltenen Arten Lebensraum. Doch Trockenheit und Eingriffe von Menschen setzen ihnen zu - auch im Harz.

Wernigerode (dpa/sa) - Moore leiden unter Trockenheit und unter Eingriffen von Menschen. Sie sind wichtige Kohlenstoffspeicher und wasserabhängige Ökosysteme, wie Katja Osterloh erklärte. Osterloh ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Nationalpark Harz und unter anderem zuständig für Moorökologie.

Moorböden bestehen vor allem aus Torf. Wenn es an Wasser fehlt, tritt demnach Sauerstoff in dieses System ein. Mikroorganismen können dann kohlenstoffhaltige Stoffe aus dem Torf zersetzen, wodurch die Moore am Ende das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid freisetzen, erklärte sie.

Eine besondere Messstation misst im Harz, wie viel Kohlenstoffdioxid aus dem Moor entweicht und wie viel aufgenommen wird. So kann festgestellt werden, ob das Moor eine Kohlenstoffsenke oder eine -quelle ist.

Wenn über Wochen nur wenig Regen fällt, sinkt Osterloh zufolge der Wasserstand in den Mooren. Dann trocknen zuerst kleine wassergefüllte Bereiche aus, die sogenannten Schlenken, wie es hieß. Diese seien wichtig für viele Arten, etwa für die Libelle.

Viele Moore in Deutschland entwässert

Mehr als 90 Prozent der Moore in Deutschland seien entwässert. Das liegt laut Osterloh etwa daran, dass die Flächen für die Forstwirtschaft genutzt werden. Der Nationalpark Harz stelle mit etwa 2.100 Hektar vermoorter Fläche heute aber ein Beispiel für naturnahe Moore dar und habe mit die am besten erhaltenen Moore in Deutschland, so Osterloh.

Trotzdem könne man im Nationalpark noch die Folgen von vergangener Entwässerung und Torfabbau sehen. Gerade in den Randbereichen der Moore, in den Moorwäldern, gebe es im Harz stark geschädigte Standorte. Die Hochmoore selbst seien in einem guten Zustand. "Auch da merkt man Veränderungen, deren Entwicklung man beobachten muss", so Osterloh.

Moore stellen Lebensraum für seltene Arten dar

Die klimatischen Bedingungen werden der Expertin zufolge eine große Rolle für die Zukunft der Moore spielen. Deshalb sei es umso wichtiger, vom Menschen ausgehende Schädigungen zu vermindern.

Die Moore im Harz sind nicht nur Kohlenstoffspeicher, sondern auch der Lebensraum seltener Arten, die auf die besonderen Bedingungen im Moor spezialisiert sind. Die fleischfressende Pflanze namens rundblättriger Sonnentau wachse zum Beispiel in den Harzer Mooren. Insekten bleiben auf den klebrigen Teilen der Pflanze hängen und werden von ihr verdaut - "das ist wirklich eine besondere Pflanze", so Osterloh.

Die Raupen des Hochmoor-Perlmuttfalters und des Moosbeerenspanners entwickeln sich an der Moosbeere, die in Mooren wächst. Und der Wiesenpieper finde in den Mooren die passenden Bedingungen zur Brut und Aufzucht seiner Jungen. Außerdem gebe es im Harz 25 bis 30 Torfmoosarten.

Quelle: dpa

Regionales