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SachsenHandwerk sieht schwarz und zieht ernüchternde Bilanz

10.06.2026, 11:56 Uhr
Der-Saechsische-Handwerkstag-mit-Praesident-Uwe-Nostiz-sieht-die-Lage-der-Handwerksbetriebe-im-Freistaat-sehr-kritisch

Hohe Kosten, weniger Aufträge, kaum Zuversicht: Der Sächsische Handwerkstag sieht das Handwerk am Kipppunkt und fordert Reformen, um die Branche zu entlasten.

Dresden (dpa/sn) - Im sächsischen Handwerk schwindet die Hoffnung auf eine Trendwende. Der Abwärtstrend bei den Betrieben setze sich fort, bilanzierte der Sächsische Handwerkstag bei der Vorstellung von Konjunkturdaten. Nur noch ein Drittel der Betriebe bewerte die eigene Geschäftslage mit gut. Im Frühjahr 2019 - dem letzten Jahr ohne Krisenmodus - seien es mit 70 Prozent mehr als doppelt so viele gewesen. Betroffen seien alle Gewerke.

"Betrieben fehlt jegliche Zuversicht"

Laut Andreas Brzezinski, Sprecher des Geschäftsführerkollegiums des Handwerkstages, fehlt den Betrieben jegliche Zuversicht, dass sich die Bedingungen ändern. Sie hätten von der Politik viele Ankündigungen gehört, im Alltag sei davon konkret noch nichts angekommen. 30 Prozent der Betriebe rechneten in den kommenden Monaten mit schlechter laufenden Geschäften (2019: 7 Prozent). Nur 16 Prozent glaubten an eine Besserung.

Aktuelle Krise unterscheidet sich von früheren

"Ich sehe im Moment keinen Punkt, der in die richtige Richtung geht", fasste Uwe Nostitz, Präsident des Handwerkstages, zusammen. Es habe zwar auch früher schon Krisen gegeben. Eine neue Erfahrung sei aber, dass niemand mehr Licht am Horizont sehe. Seit Jahren würden die Probleme angesprochen, aber alle hätten das Gefühl, es ändere sich nichts. Brzezinski sprach von einer "multiplen Krise". Das laste auf den Gemütern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Bauwirtschaft gehört jetzt zu den Sorgenkindern

In der aktuellen Konjunkturumfrage bezeichneten 20 Prozent der Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage als schlecht (2019: 4 Prozent). "Die Bauwirtschaft war früher das Zugpferd der Konjunktur. Jetzt gehört sie zu den Sorgenkindern", sagte Brzezinski. Zwar steige die Zahl der Baugenehmigungen. Gleichzeitig werde aber so wenig gebaut wie seit zehn Jahren nicht mehr. Als Grund nannte er die hohen Baukosten sowie steigende Finanzierungszinsen.

Handwerk leidet auch unter einer schwächelnden Industrie

40 Prozent der Firmen (2019: 11 Prozent) mussten in den vergangenen Monaten Umsatzrückgänge hinnehmen, lautete ein weiterer Befund. "Die Industrie schwächelt deutlich. Die Zulieferer aus dem Handwerk bekommen weniger Aufträge. Der Privatkunde könne diese Lücke aktuell nicht füllen", so Brzezinski. Von Großinvestitionen in der Industrie könne das Handwerk meist nicht profitieren, weil Generalauftragnehmer zum Zuge kommen.

"Handwerk muss für große Teile der Bevölkerung bezahlbar bleiben"

"Handwerk muss für große Teile der Bevölkerung bezahlbar bleiben und darf nicht zu einem Luxusgut für einen elitären Kreis werden", stellte Nostitz klar. Ein Handwerker müsse heute im Schnitt fünf Stunden arbeiten, um sich einen Handwerker aus der eigenen Branche für eine Stunde zu leisten. Dieses Verhältnis habe früher bei etwa 2:1 gelegen. Die steigenden Kosten schwächten die Investitionskraft und die Wettbewerbsfähigkeit.

Forderung nach Reform der Sozialversicherungssysteme

Der Handwerkstag forderte eine Reform der Sozialversicherungssysteme. Haupttreiber der hohen Kosten seien die Sozialabgaben. "Wir sind hier an einem richtigen Kipppunkt angelangt. Steigen die Kosten weiter, steigt auch die Gefahr von Schwarzarbeit", betonte der Präsident.

Handwerkstag wünscht sich mehr Schüler-Praktika

Eine weitere Forderung betrifft den Nachwuchs. "Das Profil der Oberschule als Talenteschmiede der Berufsbildung sollte geschärft werden." So sollte die Zahl der Praktika während der Schulzeit zunehmen. Je mehr Erfahrungen die Schüler in den Betrieben sammeln, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Abbrecherquoten sinken, hieß es. Derzeit werden zwischen 10 und 15 Prozent der Lehrverträge vorzeitig gelöst.

Der Sächsische Handwerkstag vertritt mehr als 54.000 Betriebe mit insgesamt rund 280.000 Beschäftigten. 2025 lag der Umsatz bei knapp 36 Milliarden Euro. Die meisten Betriebe im zulassungspflichtigen Handwerk gibt es im Elektro- und Metallgewerbe. Bei den Geschäftsfeldern, für die keine Zulassung nötig ist, dominierten Gesundheits- und Körperpflege sowie das Reinigungsgewerbe.

Quelle: dpa

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