SachsenMehr Gewalt gegen Journalisten in Sachsen

16 Körperverletzungen in 20 Monaten: In Sachsen werden Journalisten immer öfter zur Zielscheibe. Nur in Berlin gab es mehr Übergriffe.
Berlin/Dresden (dpa/sn) - In Sachsen sind Journalisten und Medien zunehmend politisch motivierter Gewalt ausgesetzt. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, über die die "Rheinische Post" berichtet. Sie wurde kürzlich vom Bundestag veröffentlicht.
16 Fälle von Körperverletzung in 20 Monaten
Von April 2024 bis November 2025 gab es demnach in Sachsen 82 politisch motivierte Straftaten gegen Medienschaffende. Das ist die zweithöchste Zahl im Ländervergleich, wobei sich mit 406 Straftaten fast die Hälfte der Fälle in Berlin ereignete. Die Zahlen wurden mit Stichtag 31. Dezember 2025 von den Ländern an das Bundeskriminalamt gemeldet.
In 16 der sächsischen Fälle handelte es sich um Körperverletzung - auch hier Rang zwei hinter Berlin (36). Das entspricht einem rasanten Anstieg im Vergleich zu 2023. Rechnet man die Zahl der Körperverletzungen vom 1. April 2024 bis zum 30. November 2025 hoch, kommt man im Schnitt auf knapp 0,8 Fälle pro Monat. Für das Jahr 2023 waren es laut früheren Angaben des Bundesinnenministeriums 5 Fälle, das entspricht rund 0,4 pro Monat.
Das Niveau der Straftaten insgesamt lag dagegen mit 4,1 Straftaten pro Monat unter dem von 2023 mit 4,9 Straftaten pro Monat.
Deutschlandweit
Deutschlandweit hat die Polizei den Angaben nach vom 1. April 2024 bis zum 30. November 2025 insgesamt 818 politisch motivierte Straftaten registriert, die sich gegen Medien richteten, darunter 89 Gewaltdelikte. Im Vergleich zu 2023 entspricht das einem deutlichen Anstieg von 24 auf 41 Fälle pro Monat.
Rund ein Drittel dieser Straftaten - insgesamt 244 - ordnet die Polizei dem rechten Spektrum zu, 78 dem linken. Hinter 153 Fällen sehen die Behörden eine ausländische Ideologie, bei 31 eine religiöse. Weitere 312 Delikte laufen unter der Kategorie "sonstige Zuordnung".
Auch RSF berichtet von Gewalt und Einschüchterung
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hatte erst vergangene Woche zunehmende Feindseligkeit gegenüber Journalisten besonders im Osten Deutschlands beklagt. RSF hat für das Jahr 2025 insgesamt 55 Angriffe auf Medienschaffende und Redaktionen in Deutschland dokumentiert und verifiziert, darunter neun in Sachsen. Der Freistaat liegt auch laut diesen Zahlen auf Rang zwei hinter Berlin (20 Angriffe).