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SachsenSemperoper bringt nach langer Zeit "Parsifal" auf die Bühne

22.03.2026, 23:40 Uhr
Die-Premiere-von-Richard-Wagners-Parsifal-ist-an-der-Semperoper-Dresden-auf-ein-geteiltes-Echo-gestossen

Lange mussten Wagner-Fans auf einen neuen "Parsifal" in Dresden warten. Nun ist er da. Doch zumindest im Premierenpublikum traf er nicht jedermanns Geschmack.

Dresden (dpa/sn) - Die Semperoper Dresden hat nach fast vier Jahrzehnten erstmals wieder Richard Wagners "Parsifal" auf die Bühne gebracht. Für die Neuproduktion gab es am Sonntag ein geteiltes Echo beim Publikum. Während die musikalische Leitung von Daniele Gatti und die Leistungen der Sänger Bravo-Rufe und lauten Beifall auslösten, wurde der niederländische Regisseur Floris Visser bei seinem Debüt in Dresden überwiegend ausgebuht. Er hatte in seiner Inszenierung auch auf aktuelle Krisen in der Welt abgehoben und das Werk mit zahlreichen politischen Botschaften angereichert.

Beifallsstürme für Georg Zeppenfeld und weitere Solisten

Einhellig war das Publikum im vollen Opernhaus von der musikalischen Qualität angetan. Allen voran sorgte Georg Zeppenfeld als Gurnemanz für Jubelstürme. Aber auch Eric Cutler bei seinem Rollendebüt in der Titelpartie, Michèle Losier als Kundry, Albert Dohmen (Titurel), Oleksandr Pushniak (Amfortas) und Scott Hendricks (Klingsor) erhielten viel Beifall. Das "Starensembles" des Abends saß mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden im Orchestergraben und wurde lautstark gefeiert. Auch das Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann – die zum Touristenort avancierte Ruine einer Abtei – gefiel.

Parsifal durch die Augen eines Kindes erzählt

Regisseur Visser gelang ein interessanter Zugriff. Er erzählt die Geschichte von Parsifal durch die Augen eines Kindes, das mit seiner Schulklasse die Abtei besucht und von seiner Fantasie eingeholt wird. Der Junge, der selbst keine Eltern mehr hat, sieht im Waisenkind Parsifal seinen Helden. Andere Besucher der Abtei werden in die mythische Welt hineingezogen. Im Programmheft äußert sich Visser so: "Die Welt braucht Heilung, mehr Gerechtigkeit und Umsicht." Die Inszenierung greife diese politischen Fragen nach Erlösung auf. Beim Finale kommt es in Dresden zur allgemeinen Verbrüderung.

Dirigent Daniele Gatti fand – gleichfalls im Programmheft – schöne Worte zur magischen Musik des "Parsifal": "Man muss sich vorstellen: Man kommt von einem Tag voller Arbeit und alltäglicher Aufgaben in das Theater und hört das Vorspiel. Dann wird man mit dieser Musik wie auf einen anderen Planeten versetzt (...)."

Letzte Dresdner "Parsifal"-Inszenierung stammt von 1988

Letztmals war "Parsifal" an der Semperoper 1988 von Theo Adam (1926-2019) in Szene gesetzt worden. Das Stück lief bis 2010. An der Semperoper wird Richard Wagner neben Richard Strauss als "Hausgott" verehrt. Mehrere Opern beider Komponisten hatten in Dresden Uraufführung. Richard Wagner wirkte seinerzeit in Dresden als Hofkapellmeister.

Weitere Vorstellungen von "Parsifal" gibt es in Dresden am 25. und 31. März sowie 3. und 6. April.

Quelle: dpa

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