SachsenHügelgräber bei Ausgrabungen in Laußnitzer Heide entdeckt

Warum die Hügelgräber aus der Zeit der Schnurkeramik in Sachsen eine Seltenheit sind – und was die Funde über das Leben vor mehr als 4.000 Jahren verraten.
Ottendorf-Okrilla (dpa/sn) - Bei archäologischen Grabungen sind in der Laußnitzer Heide Gräber aus der Jungsteinzeit entdeckt worden. "Es handelt sich um den zweitgrößten Bestattungsplatz aus dieser Zeit in Sachsen, östlich der Elbe", teilte das Landesamt für Archäologie mit. Die zehn ausgegrabenen Hügelgräber seien im Zeitraum zwischen 2750 und 2200 vor Christus angelegt worden und würden zur "Kultur der Schnurkeramik" gehören.
Der Name stammt von der typischen Verzierung von Keramik. Mit einer zumeist gedrehten Schnur wurden umlaufende Muster in den noch feuchten Ton gedrückt, wodurch die charakteristischen Rillenmuster entstanden. Die Kultur war vom Gebiet der heutigen Ukraine bis zur Schweiz und dem Niederrhein verbreitet, hieß es.
Bestattungsplatz aus der Zeit der Schnurkeramik
"Obwohl die Menschen zur Zeit des Endneolithikums bereits sesshaft waren und Ackerbau und Viehzucht betrieben, findet man nur selten ihre Siedlungen. Wir kennen aus dieser Zeit vor allem die Gräber dieser Kultur. Typisch sind Bestattungen in Hockerlage unter Grabhügeln, das heißt, die Verstorbenen lagen mit angezogenen Beinen auf der Seite", teilte das Amt mit. Während Männer rechtsseitig mit dem Kopf nach Westen beigesetzt wurden, lagen Frauen linksseitig mit dem Kopf nach Osten. Da der Boden dort sehr sauer sei, hätten sich von den Gebeinen mit einer Ausnahme keine Überreste erhalten.
Grabungen erfolgten vor Erschließung neuer Abbauflächen für Kies
Die Grabungen erfolgten vor der Erschließung neuer Abbauflächen durch das Kieswerk Ottendorf-Okrilla. Aus Protest gegen den Kiesabbau kam es vor drei Jahren zu einer "Waldbesetzung" mit anschließender Räumung. Umweltschützer hatten geltend gemacht, dass mit dem Kiesabbau wichtige Feuchtgebiete zerstört werden.
"Die Entdeckung des schnurkeramischen Grabhügelfeldes von Würschnitz zeigt deutlich, wie wichtig systematische archäologische Untersuchungen im Vorfeld von Abbauvorhaben sind, wie hier im Kieswerk Ottendorf-Okrilla", erklärte Landesarchäologin Regina Smolnik. Die letzte Gelegenheit, Hügelgräber dieser Zeitepoche in Sachsen zu untersuchen, liege mehr als 40 Jahre zurück. "Allein dieser Umstand zeigt schon, wie bedeutend dieser Fund für Sachsen ist."
Reiche Grabbeigaben
Bis auf einen Grabhügel waren alle übrigen Hügelgräber ungestört und mit reichen Grabbeigaben ausgestattet, gab das Landesamt bekannt. Die Beigaben betrafen zahlreiche Tongefäße wie Amphoren und Becher, Geräte und Waffen aus Feuerstein und anderen Gesteinsarten. In einem Grab wurden knapp 20 Kupferperlen gefunden, die vermutlich als Halsschmuck getragen wurden. Durch das korrodierte Kupfer erhielt sich der Knochen eines Unterkiefers.