Regionalnachrichten

Sachsen Scheuer soll Bahnstrecke Dresden-Görlitz verbessern

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU/l.) und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Foto: Sebastian Willnow/Archivbild

(Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa)

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer schaut sich im Bautzener Bombardier-Werk an, wie der Konzern die Weichen auf Industrie 4.0 umstellt. Für das Wachsen des Standorts braucht der Schienenfahrzeughersteller aber Unterstützung aus Berlin.

Bautzen (dpa/sn) - Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) soll helfen, die Weichen für die Elektrifizierung der Bahnstrecke Dresden - Görlitz zu stellen. Beim Besuch des Politikers im Bautzener Bombardier-Werk im Beisein des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) machte ihm der Deutschland-Chef des Schienenfahrzeugherstellers, Michael Fohrer, die Wichtigkeit des ausstehenden Bahn-Projektes für das Wachsen des Standorts deutlich. "Wir brauchen diese Infrastruktur. Wir wollen zum Beispiel die Materialzuführung von der Straße auf die Schiene verlagern", sagte er. Auch Landrat Michael Harig (CDU) betonte die Wichtigkeit dieses Schienen-Infrastrukturprojektes.

Bei der Elektrifizierung der Strecke Dresden-Görlitz handelt es sich um eine 110 Kilometer lange Strecke, bis Dresden und auf polnischer Seite liegen bereits die Drähte. Bislang fahren dort Dieselloks. Auch für die sächsische Staatsregierung gehört die Elektrifizierung auf die Prioritätenliste, um den anstehenden Strukturwandel in der Lausitz abzufedern, damit sich die Region entwickeln kann und neue Arbeitsplätze entstehen. "Ich kenne die Wünsche des Ministerpräsidenten", sagte Scheuer - und will auf Mittel aus dem Strukturwandel im Lausitzer Kohlerevier setzen. "Wir haben die Aufgabe neben geplanten und begonnenen Strukturprojekten, die die Schiene betreffen, jetzt zu diskutieren, was wir mit der Strukturpolitik - Stichwort Kohleausstieg - machen", sagte er.

Strukturpolitik habe mit der normalen Verkehrspolitik nichts zu tun. "Wir werden sehen, ob wir mehr Geld bekommen. Darum ringen wir momentan in Berlin", sagte Scheuer, der nach Bautzen mit der Bahn kam. Das dortige Werk stellt der Schienenfahrzeughersteller derzeit auf Industrie 4.0 um. Ein Großteil der Investitionen in Höhe von 30 Millionen Euro in das "Powerwerk der Serienfertigung" fließt in die Digitalisierung und die intelligente Vernetzung von Menschen, Maschinen und Prozessen. "Wir haben 60 Standorte in 26 Ländern und durchgesetzt, dass dieses Leitwerk hier entsteht", sagte Fohrer.

So wurde bereits 2018 die digitale Produktionshalle eingeweiht, bei denen zum Beispiel die Mitarbeiter ihre Arbeitsaufgaben auf Monitoren sehen. Ein Tipp mit dem Finger auf dem Tablet reicht, um die Stapler-Flotte abgestimmt in Bewegung zu setzen. Auch eine Fließlinie für die parallele Produktion von verschiedenen Fahrzeugtypen entstand, ähnlich wie in der Automobilindustrie. "Hier gibt es 18 Stationen mit einer maximalen Flexibilität", sagte Werkleiter Olaf Schmiedel. Im Spätsommer soll das neue Testcenter eröffnet werden, unter anderem mit einem 200 Meter langen Gleis und einer Berieselungsanlage und digitalen Prüftechnologien.

Durch die Neustrukturierung sollen am Bautzener Standort 400 bis 500 neue Arbeitsplätze entstehen. Derzeit arbeiten im Werk 920 Festangestellte und 150 Leiharbeiter. Und auch für den zweiten sächsischen Standort in Görlitz kündigte Fohrer Investitionen in Höhe von acht Millionen Euro an. "Görlitz ist für uns ganz wichtig. Wir werden unsere Versprechungen einhalten. Dazu brauchen wir natürlich Aufträge", sagte er in Richtung des Ministers.

Das Görlitzer Werk soll nach Planungen des Unternehmens zum Wagenkastenzentrum für Aluminium und Stahl ausgebaut werden. Geplant ist auch die Verlegung des Wagenkastenbaus von Bautzen nach Görlitz, wo derzeit 980 Festangestellte und 175 Leiharbeiter tätig sind. Projekte des Bautzener Bombardier-Standorts sind unter anderem der Bau von S-Bahnen für Hamburg und von IC-Zügen für die Deutsche Bahn sowie von Straßenbahnen für Duisburg, Düsseldorf, Köln, Berlin und Essen.

Newsticker