Regionalnachrichten

SachsenSchostakowitsch-Tage rücken jüdische Einflüsse in den Fokus

24.06.2026, 12:19 Uhr
Die-Internationalen-Schostakowitsch-Tage-in-Gohrisch-locken-in-den-kommenden-Tagen-wieder-Muskfans-an
(Foto: Oliver Killig/dpa)

Die Schostakowitsch-Tage rücken in diesem Jahr jüdische Einflüsse im Werk des Komponisten in den Mittelpunkt – mit selten gespielten Werken und namhaften Gästen.

Gohrisch (dpa/sn) - Der Komponist Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) soll auch in politisch schwierigen Zeiten ein verbindendes Element zwischen Russland und Musikfreunden im Ausland bleiben. "Seine Musik mit ihren tiefen Emotionen und häufig verschlüsselten Botschaften wird mittlerweile auf der ganzen Welt verstanden. Sie ist ein universales Weltkulturerbe, das von den Schrecken der Sowjetzeit kündet, aber auch die Ereignisse der heutigen Welt spiegelt", sagte Tobias Niederschlag, Künstlerischer Leiter der Internationalen Schostakowitsch-Tage Gohrisch, der Deutschen Presse-Agentur.

Einfluss jüdischer Musik auf Schostakowitsch steht im Zentrum

Das Festival beginnt am Mittwochabend mit einem Konzert der Sächsischen Staatskapelle im Dresdner Kulturpalast und läuft dann bis zum Wochenende in Gohrisch (Sächsische Schweiz). Dieses Mal steht der Einfluss jüdischer Musik im Werk Schostakowitschs im Zentrum. Im Programm finden sich Namen renommierter Interpreten. Gidon Kremer kommt mit seiner Kremerata Baltica. Das Streichquartett Quatuor Danel spielt mit der Pianistin Elisabeth Leonskaja, die den diesjährigen Preis des Festivals erhält. Geigerin Isabelle Faust ist als Solistin der Sächsischen Staatskapelle zu erleben.

Gohrisch wichtig für die Rezeption von Schostakowitschs Werk

"Ich denke, dass die Schostakowitsch-Tage in der Rezeption des Komponisten inzwischen eine wichtige Schnittstelle einnehmen", betonte Niederschlag. Der Kontakt zum Schostakowitsch-Archiv in Moskau, zur Leitenden Archivarin Olga Digonskaja und zur Witwe des Komponisten sei trotz der schwierigen Umstände nie abgerissen. "Wir erwarten Olga Digonskaja auch in diesem Jahr bei unserem Festival, dem sie in der Vergangenheit immer wieder unbekannte Werke von Schostakowitsch zur Erst- und sogar Uraufführung anvertraut hat."

Festival will Schostakowitsch aus diversen Blickwinkeln beleuchten

"Bei der Zusammenstellung des Programms ist es mir wichtig, dass wir Schostakowitsch aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten und immer neu hinterfragen", erklärte Niederschlag. Das Festival reihe sich diesmal in das Jahr der jüdischen Kultur ein. Besonders interessant dürfte die Begegnung mit dem Werk des weißrussischen Komponisten Lew Abeliotwitsch (1912-1985) sein, der wie der Komponist Mieczysław Weinberg seine gesamte Familie im Holocaust verlor und später für einige Jahre zum Moskauer Kreis um Schostakowitsch gehörte. Seine Musik sei hierzulande völlig unbekannt: "Das wird sich nach drei Europäischen Erstaufführungen bei unserem Festival hoffentlich ändern."

Schostakowitsch gilt als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er hinterließ ein vielfältiges Gesamtwerk mit 15 Sinfonien, Instrumentalkonzerten, Opern, Filmmusiken, Vokalwerken und Kammermusik. Seine Werke sind fester Bestandteil im weltweiten Konzertbetrieb. Zweimal weilte er in Gohrisch, wo sich ein Gästehaus der DDR-Regierung befand.

Quelle: dpa

Regionales