SachsenSimsontreffen in Zwickau mit 6.000 Besuchern

Das Festival lockte Tausende junge Menschen nach Zwickau. Obwohl Beamte verletzt wurden, zieht die Polizei insgesamt ein positives Fazit.
Zwickau (dpa/sn) - Knapp 6.000 Menschen haben am Wochenende beim Simsontreffen die Kultmopeds aus der DDR gefeiert. Überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene besuchten das viertägige Festival auf dem Zwickauer Flugplatzgelände, wie die Polizei mitteilte. Die Veranstalter bedankten sich bei den Besuchern für ein "unvergessliches Wochenende". "Ob auf der Rennstrecke, vor der Bühne oder auf dem Zeltplatz - ihr habt für eine unglaubliche Stimmung gesorgt!", schrieben sie in einem Facebook-Beitrag.
Zum Abschluss zog die Polizei ein überwiegend positives Fazit. Der Einsatz sei weitestgehend zufriedenstellend verlaufen, sagte Polizeioberrätin Katharina Matt, die den Polizeieinsatz führte, laut Mitteilung. "Nichtsdestotrotz sind an allen vier Einsatztagen Ordnungswidrigkeiten und Straftaten erfasst worden, die in der Zahl aber unter dem Vorjahr liegen." Rund 390 Einsatzkräfte der Polizei begleiteten das Festival. Von Donnerstag bis Sonntag registrierten die Beamten 21 Straftaten, darunter vier Körperverletzungen. Das waren weniger als halb so viele wie im Jahr zuvor mit 44 Straftaten und 18 Körperverletzungen.
Polizisten mit Knalltrauma
Zu den Körperverletzungsdelikten zählt ein Vorfall vom Freitagabend, bei dem vorherigen Angaben nach drei Polizisten im Alter von 35 bis 45 Jahren ein Knalltrauma erlitten. Die Beamten waren demnach als Kommunikationsteam auf dem Festivalgelände unterwegs, als ein 25-Jähriger mit einem Quad ohne Schalldämpfer neben ihnen anhielt und dann stark beschleunigte. Er erhielt einen Platzverweis.
Gegen einen weiteren 25-Jährigen wird zudem wegen unerlaubter Pyrotechnik und Betäubungsmitteln ermittelt. Als Polizisten nach dem Zünden der Pyrotechnik einschritten, gab er auf Nachfrage zusätzlich zu, Drogen bei sich zu haben. Die Beamten fanden knapp 100 Gramm Cannabis und eine Fliese mit Rückständen von Amphetaminen. Auch er erhielt einen Platzverweis.
Sieben verfassungsfeindliche Delikte
Die Polizei registrierte auf dem Simsontreffen außerdem insgesamt sieben Delikte mit verfassungsfeindlichem Hintergrund. Gegen alle betroffenen Personen verhängten die Veranstaltung nach Vorschlag der Polizei ein Hausverbot.
Das mehrtägige Simsontreffen bezeichnet sich selbst als größtes Festival dieser Art. Tausende Fans des DDR-Kult-Mopeds kommen jedes Jahr auf den Flugplatz in Zwickau. In den vergangenen Jahren machte das Simsontreffen auch Schlagzeilen, weil Teilnehmer immer wieder mit Nazi-Gesten und -Parolen auffielen. Die Veranstalter betonen, dass das Treffen eine unpolitische Veranstaltung sei und verfassungsfeindliche Kennzeichen zur Anzeige gebracht würden.
Die jüdischen Nachfahren der Familie Simson kritisierten in diesem Jahr eine Vereinnahmung der Marke durch die AfD. Die Partei nutzt das beliebte Moped unter anderem im Wahlkampf. Die Familie Simson war in der NS-Zeit verfolgt und 1936 zum Verkauf der Fabrik in Suhl gezwungen worden, wo später zu DDR-Zeiten die Simson-Mopeds gebaut wurden.