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SachsenTkotz hält glaubhafte Abschreckung für das Gebot der Stunde

03.04.2026, 06:01 Uhr
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Oberst Marco Tkotz würde gerne einmal auf einem Ostermarsch über die Frage von Krieg und Frieden sprechen. Der neue Kommandeur des Landeskommandos Sachsen hält den Diskurs darüber für wichtig.

Dresden (dpa/sn) - Deutschland und seine Verbündeten brauchen nach Ansicht von Bundeswehr-Kommandeur Marco Tkotz mehr denn je ein wehrhaftes Verteidigungsbündnis. "Um einen möglichen Krieg zu verhindern und Frieden zu sichern, hilft nur eine glaubhafte Abschreckung", sagte der Oberst im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Es gehe darum, einen potenziellen Aggressor abzuschrecken. "Er muss sehen, was die Bundeswehr als Teil der Nato zu leisten vermag." Es gelte wachsam zu sein. Die Landes- und Bündnisverteidigung sei Schwerpunkt für die Bundeswehr.

Europäischer Pfeiler der Nato wird sich stärker ausprägen müssen

Der 49 Jahre alte Tkotz, der kürzlich das Landeskommando Sachsen übernahm und früher unter anderem stellvertretender Heeresattaché der deutschen Botschaft in Washington war, glaubt fest an die Zukunft der Nato. Ihr europäischer Pfeiler werde sich aber künftig stärker ausprägen müssen. US-Präsident Donald Trump hält er zugute, die Europäer mit Blick auf ihre eigene Verteidigungsfähigkeit wachgerüttelt zu haben. "Wir waren lange in der Komfortzone und haben geglaubt, die Amerikaner regeln das schon für uns."

Tkotz zufolge haben auch frühere US-Präsidenten darauf gedrungen, dass die europäischen Verbündeten ihre Verteidigungsausgaben erhöhen müssen. "Jetzt ist aber der Handlungsdruck für uns da. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass die Nato Bestand haben wird. Wir müssen sie auch als Wertebündnis und politisches Bündnis verstehen."

Bedrohung in erster Linke durch Russland

Eine Bedrohung sieht Tkotz in erster Linie durch Russland und seine gegenwärtige Führung. Er verwies auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Aussagen von Präsident Wladimir Putin aus den vergangenen Jahren in Erinnerung würden sich wie bei einem Puzzle zu einem Bild fügen. "Wenn es irgendwann zum Frieden zwischen Russland und der Ukraine kommt, dann wird die Welt nicht wieder genauso sein, wie sie vorher war." Die Bedrohung verschwinde nicht von allein, sie erfordere ein aktives Handeln.

Diskurs über Frieden und Verteidigung wichtig

Der Oberst hält den Diskurs in der Gesellschaft über solche Fragen für dringend erforderlich. "Ich würde gern einmal auf einem der Ostermärsche darüber zu den Teilnehmern sprechen. Wir müssen den Menschen genau erklären, warum wir eine glaubhafte Abschreckung brauchen." Auch das Landeskommando Sachsen spiele dabei eine Rolle. Der Freistaat sei ein Transitland für Verlegung von Truppen gen Osten und in Richtung Baltikum. Das müsse reibungslos und ohne Verzögerung klappen - als würde ein "warmes Messer durch die Butter gehen", wie es Tkotz ausdrückt.

12.000 Militärfahrzeuge sind 2025 durch Sachsen gerollt

Allein 2025 seien etwa 12.000 Militärfahrzeuge durch Sachsen gerollt, sagte der Oberst. Das Landeskommando Sachsen koordiniere dabei die logistische Unterstützung. Es gehe um Rastplätze entlang der Strecke, um Verpflegung der Soldaten, um Betankung der Fahrzeuge. Dazu sei auch eine enge Kooperation mit den sächsischen Behörden erforderlich. Das Landeskommando sei weiterhin Ansprechpartner für die Politik, wenn es um eine mögliche Unterstützung der Bundeswehr etwa bei Hochwasser oder Waldbränden gehe.

Abläufe müssen auch unter erschwerten Bedingungen funktionieren

Laut Tkotz hat er das Landeskommando von seinem Vorgänger Oberst Michael Popielas in sehr guter Verfassung übernommen. Die Soldatinnen und Soldaten sowie alle Zivilangestellten hätten das entsprechende Verständnis dafür, was zu leisten ist. "Ich muss in meinem neuen Amt schauen, wo die Stellschrauben für weitere Verbesserungen sind. Denn wir können nicht davon ausgehen, dass der jetzige Zustand so bleibt, sondern die Lage sich jederzeit verschärfen kann. Wir können dann nicht sagen: Es ist 18 Uhr und Dienstschluss. Alle Abläufe müssen auch unter erschwerten Bedingungen funktionieren."

Bevölkerung soll sich auf Bedrohungslagen besser einstellen

Tkotz hält es für ratsam, dass sich auch die Bevölkerung auf Bedrohungslagen besser einstellt. So gebe etwa die aktuelle Broschüre des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe wichtige Hinweise, wie man sich im eigenen Haushalt auf Notfälle vorbereiten kann. Der Stromausfall in Berlin zu Jahresanfang habe vielen Menschen klargemacht, was in einer solchen Situation hilfreich ist und gefehlt hat. "Vielleicht sollte jeder die Broschüre in die Hand bekommen, wenn er etwa beim Einwohnermeldeamt einen Termin hat."

Quelle: dpa

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