ThüringenDorfzentrum mit Behördenterminal? Vorreiter gesucht

Wie können Dörfer lebenswerter werden - für Familien, aber auch ältere Menschen? Dazu läuft ein Projekt in Thüringen, das 2027 in eine wichtige Phase kommt.
Erfurt (dpa/th) - Im kommenden Jahr sollen in ersten Pilotdörfern in Thüringen neue Angebote getestet werden - vom Behördenterminal bis zu einem Raum für Telemedizin. Das kündigte Thüringens Landwirtschaftsministerin Colette Boos-John (CDU) nach ihrer Sommertour durch ländliche Regionen in Erfurt an. Es gehe darum, die vielen Dörfer im Freistaat lebenswerter für Familien, aber auch für ältere Menschen zu machen. Dazu sollen die Dorfzentren durch eine Reihe von Funktionen aufgewertet und als Treffpunkte für die Bewohner lebendiger werden.
Strategie für Dorfzentren bis Jahresende
Unter dem Motto "Dorf der Zukunft" werde bis Jahresende eine Strategie zur Entwicklung von Dorfzentren erarbeitet, die 2027 in die Testphase gehe. Ab 2028 solle die Strategie landesweit umgesetzt werden.
Neben einer Einkaufmöglichkeit solle es in den Dorfzentren Angebote zu Gesundheit, Mobilität, sozialem Austausch sowie Beratung geben. Es werde jedoch nicht in jedem Dorf das gleiche Modell umgesetzt, so die Ministerin. "Nicht jedes Dorf braucht alles." Gesucht würden am Bedarf orientierte Lösungen, keine "Lösungen von der Stange".
Keine Lösungen von der Stange
Dafür sei eine Art Baukastensystem mit möglichen Angeboten gedacht. Dazu gehörten Paket- und Abholstationen, bei Bedarf kleine Büros, Dorf-Cafés als Treffpunkt, Carsharing-Angebote, Nahversorgung. Boos-John: "Multifunktionalen Dorfzentren wollen wir künftig gezielt unterstützen."
Die Zahl der Pilotdörfer stehe bisher nicht fest. "Es dürften mehr als drei und weniger als zehn werden", sagte die Ministerin. Ihr sei wichtig, dass es in allen Thüringer Regionen ein Modellprojekt gebe, aber auch unterschiedlich große Dörfer dabei seien.
60 Millionen Euro für ländliche Gebiete
Teil des Konzepts sei der Einsatz von Prozessbegleitern. Sie sollen Kommunen, Vereine und Initiativen langfristig dabei unterstützen, den konkreten Bedarf zu ermitteln, Partner zusammenzubringen, geeignete Fördermöglichkeiten zu erschließen und Projekte zu entwickeln. Die Akademie Ländlicher Raum im Landwirtschaftsministerium werde die Begleiter qualifizieren.
Die Ministerin verwies darauf, dass Thüringen etwa 60 Millionen Euro pro Jahr von EU, Bund und Land für die Entwicklung ländlicher Regionen zur Verfügung habe. Ihr gehe es nicht darum, neue Förderprogramme aufzulegen, sondern die vorhandenen besser zu nutzen, mehr aufeinander abzustimmen und den Zugang zu den Geldern zu erleichtern. "Nichts ist frustrierender als wenn Prozesse zu lange dauern.".