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ThüringenFünf Angeklagte gestehen Angriff – Mutter leidet bis heute

27.04.2026, 15:21 Uhr
Wegen-des-Angriffs-auf-das-Haus-in-Ilmenau-in-dem-Gefluechtete-lebten-sind-sechs-junge-Maenner-angeklagt
(Foto: Sebastian Haak/dpa-Zentralbild/d)

Mitten in der Nacht fliegt Pyrotechnik ins Zimmer einer Flüchtlingsfamilie mit Tochter: Vor Gericht schildert die Mutter, wie der Angriff sie noch immer verfolgt. Angeklagt sind sechs junge Männer.

Erfurt (dpa/th) - Fünf der Angeklagten im Prozess um einen Angriff auf ein Flüchtlingsheim in Ilmenau haben eingeräumt, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Mehrere von ihnen bestritten allerdings, eine rechtsextreme Gesinnung zu haben. Das führte beim zweiten Prozesstag am Landgericht Erfurt nicht nur beim Vertreter der Opfer des Übergriffs zu Unglauben.

Angeklagte: Wollte nur "erschrecken"

"Wir dachten, das ist ein Flur, dann hat jemand einen Stein reingeworfen, dann habe ich die Feuerwerksbatterie reingeworfen, ohne Absicht, jemanden zu schädigen", sagte der Hauptangeklagte am Montag vor dem Landgericht Erfurt. Er habe nicht gedacht, dass in einem Haus etwas brennen könne, wenn dort eine Feuerwerksbatterie detoniere. Seine Absicht sei gewesen, Menschen "zu erschrecken".

In seiner Einlassung bestritt der Mann, aus einem rechtsextremen Motiv gehandelt zu haben – eine Angabe, die ihm der Vorsitzende Richter der zuständigen Kammer, Holger Pröbstel, nicht glaubte. Bei Durchsuchungen bei ihm seien Dinge gefunden worden, die andere Rückschlüsse zuließen, sagte Pröbstel. Das werde in dem Verfahren noch thematisiert werden. Der Prozess hatte in der vergangenen Woche begonnen.

Feuerwerksbatterie in Zimmer geworfen

In dem Verfahren sind sechs Deutsche im Alter zwischen 18 und 22 Jahren angeklagt. Die Staatsanwaltschaft Erfurt wirft ihnen vor, Ende September 2025 die Fensterscheibe einer Flüchtlingsunterkunft im Ilmenauer Ortsteil Gehren eingeschlagen und Feuerwerk ins Haus geworfen zu haben.

In dem Zimmer, in das sie die 19-schüssige Feuerwerksbatterie geworfen haben sollen, hielt sich damals eine dreiköpfige Familie aus Mazedonien auf. Drei der Männer sind deswegen wegen versuchten Mordes angeklagt worden, drei von ihnen wegen Beihilfe zum versuchten Mord.

Mutter: Bettdecke der Tochter brannte

Die Mutter der angegriffenen Familie sagte vor Gericht, als das Feuerwerk in ihrem Zimmer explodiert sei, sei sie in Panik geraten und aus dem Fenster gesprungen. Sie habe deshalb Verletzungen unter anderem am Kopf davongetragen. Als der Stein und das Feuerwerk in das Zimmer geflogen seien, habe sie geschlafen.

Unter anderem die Decke sowie die Matratze des Betts ihrer Tochter hätten schnell Feuer gefangen. Ihr Mann und ihre Tochter hätten das angegriffene Zimmer durch die Tür verlassen. Sie könne bis heute nicht richtig schlafen wegen des Übergriffs, sagte sie.

Aus Angst vor Hauptangeklagten mitgemacht?

Auch vier weitere Angeklagte erklärten, sie seien dabei gewesen, als der Hauptangeklagte die Feuerwerksbatterie in das Gebäude geworfen habe. Es sei nicht ihre Absicht gewesen, Menschen zu verletzten oder gar zu töten. Einer der sechs Angeklagten schwieg auch am zweiten Verhandlungstag.

Mindestens zwei der Männer gaben an, sie seien mehr oder weniger zufällig in das Auto gestiegen, mit dem die Angeklagten zu der Flüchtlingsunterkunft gefahren waren. Mehrere der Angeklagten sagten, sie hätten aus Angst vor dem Hauptangeklagten mitgemacht. Wie auch der Hauptangeklagte sagten mehrere der anderen Männer, sie hätten kein rechtsextremes Weltbild.

In Video rassistischer Begriff zu hören

Bereits am ersten Verhandlungstag war im Gerichtssaal ein Video aus der Tatnacht gezeigt worden. Darin ist zu auch zu hören, wie in dem mit den Angeklagten besetzten Auto ein rassistisch abwertender Begriff für die Flüchtlingsunterkunft gerufen und mindestens ein rechtsextremes Lied abgespielt worden ist.

Zu beim ihm zu Hause während einer Durchsuchung durch die Polizei gefundene rechtsextreme Stickern erklärte der Mann, dass dies nicht seine gewesen seien. Derjenige, dem sie gehörten, habe vergessen, sie mitzunehmen.

Der Nebenklage-Anwalt, der die Familie in dem Prozess vertritt, wollte diese Angabe nicht glauben. "Wissen Sie, wie diese Sticker an Ihren Kühlschrank gekommen sind?", fragte er den Mann. Daraufhin bekam er keine eindeutige Antwort.

Quelle: dpa

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