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ThüringenGas-Neuverträge viel teurer - TEAG-Gewinn für Kommunen

01.04.2026, 14:47 Uhr
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Der Iran-Krieg sorgt nicht nur für höhere Preise an den Tankstellen. Auch Haushalte mit Gasheizungen müssen tiefer in die Tasche greifen - viele aber nicht sofort, so Thüringens größter Versorger.

Erfurt (dpa/th) - Neu abgeschlossene Lieferverträge für Gas werden für Kunden der Thüringer Energie AG (TEAG) in den kommenden Wochen deutlich teurer. In der ersten Zeit nach Beginn des Iran-Kriegs, der weltweit die Gastpreise steigen ließ, habe das Unternehmen noch von seinen Vorräten zehren können, sagte Vorstandschef Stefan Reindl in Erfurt. Nun müsse Gas schrittweise zu den aktuellen Marktpreisen gekauft werden.

Das könnte bis zu einer Verdopplung des Preises bei Neuverträgen führen. Kunden mit lange laufenden Verträgen seien davon nicht betroffen - sie zahlten weiterhin den vereinbarten Preis.

Gaspreis steigt - Strom relativ stabil

Bei Stromverträgen sieht Reindl derzeit keinen Trend zu deutlich steigenden Preisen. "Der Strommarkt hat sich gut entkoppelt vom Gasmarkt - den erneuerbaren Energien sei Dank", so der Vorstandsvorsitzende des größten Thüringer Energieversorgers mit rund einer halben Million Kunden. Sollten der Iran-Krieg und die Sperrung der Meerenge von Hormus aber noch lange dauern, "dann könnte Strom im Preis nachziehen".

Die TEAG versorgt ihre Kunden mit Strom, Gas, Wärme und Glasfaseranschlüssen. Das Unternehmen, das rund 600 Kommunen im Freistaat gehört, beschäftigt knapp 2.400 Mitarbeiter. Die Kommunen profitieren vom Gewinn des Versorgers - 2025 stand unter dem Strich nach Steuern ein Gewinn von 79,6 Millionen Euro nach 76,1 Millionen Euro im Jahr davor. Mindestens 23 Euro pro Aktie sollen an die kommunalen Eigentümer gehen.

Kredite für TEAG-Übernahme von Kommunen fast getilgt

Städte und Gemeinden hätten die Kredite für die Übernahme der TEAG so gut wie getilgt, sagte der Vorstandschef. Der Kaufpreis für die TEAG, der mehr als eine halbe Milliarde Euro betragen habe, werde trotz hoher Investitionen in den vergangenen Jahren in diesem Herbst abgezahlt sein.

Weiter investieren wolle das Unternehmen in die Sicherheit seiner Systeme - auch als Reaktion auf den Anschlag in Berlin mit tagelangem Stromausfall zu Jahresbeginn. "Die Bedrohungslage hat sich verschärft - auch bei uns. Berlin hat das Krisenbewusstsein nachhaltig verändert", sagte Vorstand Andreas Roß. Die Zahl der Drohnenüberflüge, Einbrüche, Cyberangriffe oder Kabeldiebstähle habe sich in den vergangenen Jahren erhöht. Am Konzernsitz in Erfurt mit mehreren Leitwarten werde die Sicherheitsstufe erhöht.

Krisenbewusstsein bei Infrastruktur gewachsen

Es gebe eine Reihe von Projekten von der Anschaffung weiterer Notstromaggregate, dem Verlegen weiterer Leitungen an neuralgischen Punkten bis dahin, dass weniger Daten zur kritischen Infrastruktur im Internet zugänglich sind. Auch die Diskussion mit der Landesregierung über den möglichen Bau von Reservekraftwerken gehe weiter. Thüringen ist trotz Strom aus erneuerbaren Energien stark auf Energieimporte angewiesen.

Die TAG erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro - wegen gesunkener Marktpreise ein Rückgang von 2,8 Prozent. Der Vorstand rechnet bei Umsatz, Ertrag und Dividende in diesem Jahr mit ähnlichen Werten wie 2025. Erneut wolle das Unternehmen rund 300 Millionen Euro investieren - in der Vergangenheit sei es vielfach nur ein Drittel dieses Betrags gewesen.

Quelle: dpa

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