ThüringenProzess um kinderpornografische Dateien: Gutachten gefordert

In einem geheimen internationalen Internetforum soll ein Mann kinderpornografisches Material hochgeladen haben. Was er zu den Vorwürfen sagt und welche Besonderheiten es in dem Fall gibt.
Erfurt (dpa/th) - Die Verhandlung um ein mit Inhalten von sexualisierter Gewalt gegen Kinder gefülltes Chatforum am Landgericht Erfurt ist ausgesetzt worden. Bevor der Prozess fortgesetzt werden kann, soll ein psychiatrisches Gutachten eingeholt werden. Bei diesem soll es laut Vorsitzendem Richter um die Frage gehen, ob der Angeklagte möglicherweise eingeschränkt schuldfähig war, als er die ihm vorgeworfenen Taten beging.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem heute 30-Jährigen vor, im Zeitraum von April 2022 bis September 2023 sich der international genutzten einschlägigen Plattform angeschlossen und dort kinder- und jugendpornografische Dateien bereitgestellt zu haben. Der Mann räumte bei seiner Einlassung ein, entsprechende Inhalte in dem Forum geteilt zu haben: "Am liebsten würde ich in der Zeit zurückreisen und mir selbst ins Gesicht hauen." Hinweise auf den Angeklagten kamen laut Staatsanwaltschaft über die zentrale Sicherheitsbehörde der USA, das FBI.
FBI-Daten bringen Ermittlungen ins Rollen
Zum Zeitpunkt, als er die Bilder und Videos auf der inzwischen stillgelegten Plattform eingestellt habe, habe er sich in einer psychisch schwierigen Lage befunden, so der Angeklagte. Dieser beantwortete bereitwillig und wohl artikuliert die Fragen von Richtern, Staatsanwalt und Verteidiger.
Er sei nicht per se pädophil, beteuerte der Mann, der sich in Psychotherapie befindet. Allerdings kümmere ihn mit Blick auf sexuelle Erregung das Alter nicht. Das sei ihm aber erst durch das Forum bewusst geworden. Unmittelbar nach der Durchsuchung habe er sich bei einem Projekt Hilfe gesucht, das sexuellen Kindesmissbrauch vorbeugen soll.
Auf der Plattform sei er nicht gezielt gelandet. Stattdessen will er blauäugig dem Link und den Anweisungen eines anderen Users, mit dem er sich zunächst in einem "normalen" Chat angefreundet hatte, gefolgt sein. Die Fotos und Videos, die er dort schließlich teilte, habe er auf anderen einschlägigen Seiten gefunden. Als er Forderungen etwa nach mehr "Material" nicht gefolgt sei, sei er schließlich aus dem Forum ausgeschlossen worden.
Plattform inzwischen stillgelegt
Bei der besagten Plattform handelte es sich um ein Forum, das nur über einen speziellen anonymisierenden Browser zu erreichen war. 2023 hatte die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und das Bayerische Landeskriminalamt die Stilllegung dieser sogenannten Darknet-Plattform bekanntgegeben.
Laut damaliger Pressemitteilung waren in diesem Forum mehrere Chaträume für verschiedene Vorlieben eingerichtet. So habe es dort etwa einen speziellen Bereich für Bilder und Videos von Kleinkindern gegeben. Wer zum inneren Kreis der Plattform gehören wollte, musste demnach unter anderem selbst große Mengen an kinderpornographischen Fotos und Videos bereitstellen.