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ThüringenStudie: Kita-Personal fehlt - Kritik von Ministerium

28.01.2026, 10:45 Uhr
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In Thüringen sinken die Kinderzahlen, doch zugleich beklagt eine neue Studie zu wenig Personal für gute frühkindliche Bildung in den Einrichtungen. Wie der Freistaat im Ländervergleich dasteht.

Erfurt/Gütersloh (dpa/th) - Thüringen liegt bei der Personalausstattung in den Kindergärten einer aktuellen Studie zufolge im Bundesländervergleich im hinteren Feld. Nur 0,8 Prozent der Einrichtungen erfüllen demnach die fachlichen Empfehlungen zur Personalausstattung, wie aus einer Studie zur Personalausstattungsquote in Kitas hervorgeht, die von der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh veröffentlicht wurde.

Noch schlechter stehen bei diesem Punkt nur Sachsen (0,6 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (0,7 Prozent) da. Sachsen-Anhalt kommt ebenfalls auf 0,8 Prozent.

Ministerium kritisiert Studie

Das Thüringer Bildungsministerium hält die Aussagekraft der Studie "aufgrund ihrer verengten Messmethodik" für eingeschränkt. "Sie bildet weder die tatsächliche pädagogische Qualität noch die Arbeitsbedingungen in Thüringer Kindergärten umfassend ab", sagte ein Sprecher der dpa.

Nicht genug Personalressourcen

"Im Mittel verfügen die Kitas in Thüringen über 54 Prozent der Personalressourcen, die für eine kindgerechte frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung empfohlen werden", heißt es in der Studie.

Die Analyse arbeitet mit einer sogenannten Personalausstattungsquote, die die Bertelsmann-Stiftung und das Österreichische Institut für Familienforschung an der Universität Wien entwickelt haben, um zentrale Faktoren wie Altersstruktur oder Anteil der daheim nicht Deutsch sprechenden Kinder angemessen zu berücksichtigen.

Unterschiede zwischen Ost und West

Für Kitas mit ihrem zunehmend komplexen Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsauftrag seien ausreichend viele und gut qualifizierte Fachkräfte wie Erzieherinnen und Kinderpfleger umso wichtiger, betonte die Stiftung.

Der Bertelsmann-Studie nach haben in Thüringen 73,5 Prozent der Einrichtungen niedrige Personalausstattungsquoten, sie verfügen über weniger als 60 Prozent der empfohlenen Personalressourcen. Verbesserungen im Personalschlüssel gelten aber als teuer.

In Thüringen spreche in zwölf Prozent der Kindergärten mehr als ein Viertel der Kinder nicht Deutsch in der Familie, heißt es in der Studie. 27 Prozent der Einrichtungen würden von Kindern mit Eingliederungshilfe besucht.

Bei den Ergebnissen sind Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Bundesländern zu sehen: In den ostdeutschen Ländern ist die Quote der Personalausstattung geringer.

Herausforderung demografischer Wandel

Frühere Studien mit anderer Systematik zeigten jedoch auch, dass der Anteil pädagogisch qualifizierter Fachkräfte in den ostdeutschen Kindergärten höher ist als im Westen. Thüringen war beispielsweise in einer Bertelsmann-Studie vom vergangenen Jahr bundesweit Spitzenreiter. Auch bei den in den Kindergärten angebotenen Betreuungszeiten und dem Anteil der in Kindergärten betreuten Kindern schneidet der Freistaat regelmäßig gut ab.

Der Sprecher des Bildungsministeriums verwies darauf, dass der Anteil an Fachkräften mit mindestens einschlägigem Fachschulabschluss in Thüringer Kindergarten-Teams bei durchschnittlich etwa 94 Prozent liegt - und damit deutlich über dem bundesweiten Schnitt von rund 72 Prozent. "Heißt: In Thüringer Kitas arbeiten anteilig mehr gut ausgebildete Erzieherinnen, Sozialpädagoginnen, Kindheitspädagoginnen und ihre männlichen Kollegen als in jedem anderen Bundesland", so der Sprecher. Ein hoher Anteil pädagogisch qualifizierter Fachkräfte sei ein wichtiger Faktor für die Qualität frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung.

Personalschlüssel verbessert

Zudem bilde der Erhebungszeitraum die aktuelle Personalsituation an den Kindergärten nicht mehr ab. "Durch die zum 1. Januar 2025 wirksam gewordene Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels sind die verwendeten Daten inzwischen überholt und entsprechen nicht mehr der gegenwärtigen Situation in Thüringen", so der Sprecher.

Thüringen kämpft derzeit wie auch andere ostdeutsche Bundesländer mit einem starken Rückgang der Kinderzahlen. Als Kompensation wurde der Personalschlüssel verbessert - eine Erzieherin oder ein Erzieher muss sich also um weniger Kinder gleichzeitig kümmern. Der Rückgang der Kinderzahlen wird von einigen Bildungspolitikern als Chance gesehen, die Betreuungsqualität zu verbessern.

Quelle: dpa

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