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ThüringenWenn Schulden bleiben: Land übernimmt immer mehr Nachlässe

08.03.2026, 04:04 Uhr
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Von Schrottimmobilien bis zu Rindern: Thüringen übernimmt Nachlässe, die sonst niemand will. Wieso das Land in den meisten Erbfällen draufzahlt und was dahintersteckt.

Erfurt (dpa/th) - Verfallene Häuser, Schulden oder Schmuck: In Thüringen landen jedes Jahr Hunderte Nachlässe beim Staat - und zwar immer dann, wenn es keine anderen Erben gibt oder die Erbschaft ausgeschlagen wird. Obwohl die Einnahmen aus solchen staatlichen Erbfällen zuletzt gesunken sind, bleibt der Aufwand hoch. Warum das so ist, welche Werte der Freistaat übernimmt und weshalb daraus selten ein gutes Geschäft wird.

Im vergangenen Jahr nahm Thüringen laut dem Finanzministerium rund 4,82 Millionen Euro aus derartigen sogenannten Fiskalerbschaften ein. Das waren etwa 15 Prozent weniger als 2024, als noch 5,66 Millionen Euro zu Buche schlugen. Dieser Rückgang resultiere vor allem aus einer geringeren Zahl an Erbschaften. Nach einem Höchststand 2024 mit 939 Erbschaften, sprang der Fiskus im vergangenen Jahr in 879 Fällen ein.

Steigende Zahl überschuldeter Nachlässe

Langfristig seien die Fallzahlen jedoch deutlich gestiegen: In den vergangenen 15 Jahren hätten sich die Neuzugänge mehr als verdoppelt, sagte ein Ministeriumssprecher. So waren es im Jahr 2010 noch 363 Erbschaftsfälle. Dabei fielen deutlich mehr Schulden als Vermögen an das Land. In etwa 80 Prozent der Fälle gehe der Nachlass an den Staat, weil das Erbe zuvor von Partnern, Angehörigen und Verwandten ausgeschlagen worden sei - meist wegen überschuldeter Nachlässe.

Werthaltige Nachlässe übernehme der Staat hingegen nur selten, so der Sprecher. Neben Münzen, Briefmarken, Schmuck, Rindern und Schafen übernahm das Land in der Vergangenheit ebenso schon einmal das Erbe eines erfolgreichen Wintersportlers sowie eines Erfurter Malers und Grafikers.

Schrottreife Immobilien

In bis zu einem Viertel der Fälle gehörten Immobilien oder Grundstücksanteile zu dem übernommenen Nachlässen. Die Palette reiche dabei von Einfamilienhäusern über Eigentumswohnungen bis zu land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Der Zustand dieser Immobilien ist dem Ministerium zufolge häufig problematisch. Viele seien sanierungsbedürftig - teilweise handele es sich um "Schrottimmobilien". Oft seien Grundstücke mit Grundpfandrechten belastet, die den Wert deutlich übersteigen würden. Das Land sei bestrebt, geerbte Immobilien möglichst zeitnah zu verkaufen, um aus den möglichen Erlösen bestehende Nachlassverbindlichkeiten zu tilgen. Eine Instandsetzung, Sanierung oder Entwicklung der Immobilien erfolge grundsätzlich nicht, hieß es.

Der Freistaat ist rechtlich verpflichtet, herrenlose Nachlässe zu übernehmen und kann Erbschaften nicht ausschlagen. Damit gehen aber zugleich alle Verpflichtungen und Verbindlichkeiten an das Land über. Für laufende Verpflichtungen aus geerbten Nachlässen – etwa Grundsteuern, Betriebskosten oder Verkehrssicherung – gab Thüringen den Angaben nach im vergangenen Jahr rund 1,18 Millionen Euro aus. Ein Jahr zuvor waren es 1,69 Millionen Euro.

Hoher Verwaltungsaufwand

Mit der Abwicklung von Fiskalerbschaften sind derzeit 13 Beschäftigte beim Landesamt für Finanzen in Voll- und Teilzeit befasst. Der Aufwand steige aufgrund der wachsenden Zahl der Erbfälle immer weiter an, hieß es aus dem Ministerium. Und auch die Kosten für die Abwicklung der Nachlässe sowie für deren Verwaltung und Verwertung seien oftmals um ein Vielfaches höher als der Wert des Erbes.

Tauchen später doch noch Erben auf, kann die Feststellung des Fiskus als Erbe rückgängig gemacht werden. 2025 gab der Staat in acht Fällen seine Erbenrolle wieder ab - 2024 waren es neun. Der Anspruch der echten Erben erlischt erst nach 30 Jahren.

Quelle: dpa

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