ThüringenStreit um Abminderungsstunden für Lehrkräfte

Ab einem Alter von 55 Jahren müssen Thüringer Lehrer weniger Unterricht geben. Das Bildungsministerium will diese Altersgrenze nun anheben. Die GEW lehnt das strikt ab.
Erfurt (dpa/th) - Thüringer Lehrkräfte sollen nach dem Willen des Bildungsministeriums erst ab einem höheren Alter als bisher weniger Unterricht geben müssen. Geplant sei eine Neuausrichtung der Altersabminderung, teilte das Bildungsministerium mit. Bislang erhielten Thüringer Lehrkräfte ab dem 55. Lebensjahr eine Altersabminderung um zwei Unterrichtsstunden pro Woche. Künftig soll es damit erst ab 60 losgehen. Ab dem 63. Lebensjahr soll es drei Abminderungsstunden geben, ab einem Alter von 66 vier. "Damit entsteht ein gezielter Anreiz, erfahrene Lehrkräfte über das 63. Lebensjahr hinaus im aktiven Schuldienst zu halten", hieß es in der Mitteilung.
GEW ist strikt gegen die Pläne
Die Thüringer Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) lehnt "Bestrebungen zur Verschlechterung bei der Altersabminderung" ab und kritisierte, dass damit verfehlte Schulpolitik auf dem Rücken der Lehrerinnen und Lehrer ausgetragen werden solle. Vielmehr zeige die Erfahrung, dass die meisten Lehrkräfte Einbußen in Kauf nehmen, "um so schnell wie möglich in den Ruhestand zu wechseln". "Das liegt vor allem an den hohen Belastungen und schlechten Arbeitsbedingungen."
Bislang gibt es nach Angaben des Ministeriums keine genauen Vorgaben, welche Aufgaben die Lehrer in den Abminderungsstunden erledigen. "Die Neuausrichtung stellt sicher, dass ein größerer Anteil der Arbeitszeit von Lehrkräften wieder unmittelbar den Schülerinnen und Schülern zugutekommt", hieß es.
Stunden ansparen für andere Lebensphasen
Die Pläne zur Umstrukturierung der Altersabminderung sind den Angaben zufolge Teil eines Pakets gegen Unterrichtsausfall mit 20 Maßnahmen. Es soll zum Schuljahr 2026/2027 starten. "Unser Maßnahmenpaket verfolgt ein klares Ziel: mehr Unterricht für unsere Schülerinnen und Schüler, spürbare Entlastung für Lehrkräfte und ein Bildungssystem, das die Erfahrung seiner Lehrkräfte besser nutzt", erklärte Bildungsminister Christian Tischner (CDU) dazu.
Geplant ist die Einführung eines neuen Arbeitszeitmodells. Lehrkräfte sollen zusätzlich geleistete Unterrichtsstunden ansparen und zu einem späteren Zeitpunkt ausgleichen können - zum Beispiel vor dem Ruhestand.
Weniger Bürokratie
Außerdem sollen dienstliche Beurteilungen abgeschafft werden, um Lehrer von Bürokratie zu entlasten, Dokumentationspflichten und Zeugnisformulare sollen vereinfacht werden und ein Kompetenztest in der Klassenstufe 6 entfällt. Künstliche Intelligenz soll bei der Unterrichtsvorbereitung und Elternkommunikation helfen.
Das Ministerium kündigte an, Ausbildungskapazitäten weiter auszubauen und die Lehrergewinnungskampagne neu auszurichten.