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ThüringenDigitale Gewalt: Wie Thüringen Frauen helfen will

14.04.2026, 15:50 Uhr
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(Foto: Elisa Schu/dpa)

Das Beratungsangebot bei Fällen von sexualisierter Gewalt im digitalen Raum wird nachgeschärft. Mit einem Maßnahmenplan will man Betroffene besser unterstützen.

Erfurt (dpa/th) - In Thüringen soll ein Konzept für eine Beratungsstelle für Betroffene sexualisierter Gewalt im digitalen Raum erarbeitet werden. Das sieht ein Maßnahmenplan vor, den die Sozial-Staatssekretärin Tina Rudolph und Thüringens Gleichstellungsbeauftragte Nadja Sthamer in Erfurt vorstellten. Bislang gibt es eine solche Beratungsstelle im Freistaat nicht, sie soll an bestehende Strukturen angegliedert werden, wie es hieß.

Vor allem junge Frauen betroffen

Rudolph sagte, zu digitaler Gewalt gehöre, wenn Menschen Hass und Hetze im Netz ausgesetzt seien, intime Aufnahmen von Frauen ohne ihre Zustimmung im Netz veröffentlicht werden oder auch wenn Ex-Partner digitale Methoden nutzen, um ihre Partnerin zu stalken. Dies dürfe nicht geduldet und Betroffene müssten besser geschützt werden. "Digitale Gewalt betrifft vorranging Frauen und Mädchen", sagte sie. Bis zu 60 Prozent seien allein in der Altersgruppe der 16- bis 24-jährigen Frauen betroffen. "Täter sind schon längst im digitalen Raum anzutreffen." Man müsse Schritt halten.

Zuvor hatte Frauenministerin Katharina Schenk (SPD) bereits klargemacht, dass sie bei dem Thema Bedarf an Beratungsmöglichkeiten für Betroffene in Thüringen sieht. In Thüringen wird das Thema schon länger im politischen Raum diskutiert. Der Landtag hatte in der vergangenen Legislaturperiode beschlossen, dass eine Definition für "geschlechtsspezifische Gewalt im digitalen Raum" erarbeitet werden solle, "damit ein Maßnahmenplan für die Bereiche Polizei, Justiz, Bildung und Jugend sowie die Beratungsstellen entwickelt werden kann".

Ausleihgeräte für Betroffene

Ein solcher Maßnahmenplan liegt nun vor. Er sieht vor, dass Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen Endgeräte ausleihen können, wenn die Geräte der Betroffenen etwa mit Spyware oder Schadprogrammen infiziert sind oder von Ermittlern sichergestellt wurden, um sie auszuwerten.

Der Maßnahmenplan setzt außerdem auf Fort- und Ausbildung bei der Kriminalpolizei und den Polizeiinspektionen. Im Bereich der Prävention sieht der Plan unter anderem einen Sicherheitscheck für digitale Endgeräte, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie täterbezogene Studien vor.

Tracking-Gerät im Kuscheltier

Thüringens Gleichstellungsbeauftragte Nadja Sthamer sagte, dass auch Mitarbeiter in den bisherigen Anlaufstellen - etwa in Frauenhäusern - geschult werden müssten. "Damit die natürlich auch wissen, wohin sie weiterverweisen können, wo sie spezielle Unterstützung bekommen." Sie berichtete davon, dass Täter teils Trackinggeräte in die Kuscheltiere der Kinder betroffener Frauen einbauen, um den Standort der Frau nachzuverfolgen oder das Handy der Betroffenen mit Spyware gekapert wurde. "Hier brauchen die Mitarbeiterinnen im Hilfesystem dringend Weiterbildungen und Unterstützung."

Zudem sieht der Maßnahmenplan die Einführung standardisierter Sicherheitschecks für Smartphones und andere Geräte vor. Sthamer bezeichnete dies als innovativen Baustein. Mit Blick auf die Arbeit von Ermittlern sagte sie, dass es einen Kapazitätsaufbau brauche. Es solle eine Strategie erarbeitet werden, "wie man zu mehr it-forensischen Kompetenzen in Polizeibehörden kommen kann".

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Thüringer Linke-Fraktion, Lena Saniye Güngör begrüßte den Maßnahmenplan. Geschlechtsspezifische Gewalt an Frauen sei ein drängendes Problem. Sie forderte die Landesregierung auf, sich auf Bundesebene für Gesetzesänderungen einzusetzen, "die digitale geschlechtsspezifische Gewalt in den Fokus rücken und die Plattformen im Netz in die Pflicht nehmen".

Quelle: dpa

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