ThüringenThüringer Ministerin: Ferien für Integration nutzen

Begegnungen, Freundschaften, Kultur: Beate Meißner sieht in den Schulferien Potenzial für Integrationsangebote. Von Kürzungen bei Kursen hält sie nicht viel und fordert Geld für psychosoziale Zentren.
Erfurt (dpa/th) - Thüringens Migrationsministerin Beate Meißner schlägt vor, Schulferien stärker für die Integration junger Migrantinnen und Migranten zu nutzen. "Es ist auch eine gute Möglichkeit, um Werte, Kulturen, Traditionen zu vermitteln, indem man verschiedene Einrichtungen besucht", sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt.
In Essen treffen sich ab Mittwoch die Integrationsministerinnen und Integrationsminister der Länder und des Bundes für Beratungen. Dort soll auch der Antrag Thüringens zu Integrationsangeboten in den Ferien besprochen werden. Meißner regte an, neue Fördermöglichkeiten auf den Weg zu bringen oder bestehende zu öffnen.
Chance für Begegnungen und Freundschaften
Ferienangebote für die Integration können ihrer Meinung nach auch einen Bildungsaspekt verfolgen – etwa zur Sprachförderung. Es gehe aber auch um "Begegnungen, Freundschaften, Zugehörigkeitsgefühl", sagte die Ministerin.
Auch Angebote zur Vorbereitung auf das Berufsleben seien denkbar, etwa indem erste Kontakte zu Betrieben oder zu anderen Einrichtungen im Bereich Ausbildung und Beruf geknüpft werden. "Wenn man die Kinder beschäftigt, dann gibt man auch den Eltern eine Möglichkeit, beispielsweise einer Arbeit nachzugehen."
Mehr Geld für psychosoziale Zentren nötig
Meißner forderte vom Bund auch mehr Geld für psychosoziale Zentren zur Betreuung von Geflüchteten und eine dauerhafte Finanzierung dafür. Viele Geflüchtete kämen mit Traumata, Erkrankungen, einem "gefüllten Rucksack", dem man sich gezielt widmen müsse, sagte Meißner.
Ihr Eindruck sei, dass das Regelsystem schon für alle anderen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland nicht ausreichend sei und die Betreuung von Geflüchteten nicht noch stemmen könne.
Mittel für die psychosozialen Zentren dürften nicht nur projektbezogen, sondern müssten dauerhaft bereitgestellt und erhöht werden. Das sei auch wichtig, um Fachkräfte zu binden, die Planungssicherheit erwarteten. Während die Bundesförderung im Jahr 2023 noch 17,5 Millionen Euro betragen habe, seien es im laufenden Jahr 2026 nur noch und 11,6 Millionen Euro.
Kritik an Einschnitten bei Integrationskursen
Zugleich kritisierte sie Kürzungen des Bundes bei Integrationskursen scharf und nannte sie eine "Rasenmäher-Methode". Die Ankündigung habe in allen Bundesländern zu einem Aufschrei geführt. Sie träfen viele Menschen, die integriert werden müssten.
Das Bundesinnenministerium von Alexander Dobrindt (CSU) hatte Einsparungen bei den Integrationskursen beschlossen. Die Kurse sollen künftig nur noch für Menschen mit "positiver Bleibeperspektive" zur Verfügung stehen. Begründet wurde dies damit, dass es keine Lösung sein könne, die Kurse auf Dauer unbegrenzt zu finanzieren, da sie pro Teilnehmer mehrere Tausend Euro kosteten.
Meißner beklagte, dass vier Zielgruppen keine Zulassung für die Integrationskurse mehr bekommen sollen – ihren Angaben nach sind das Menschen, die sich im Asylverfahren befinden, Unionsbürger, Geduldete und Geflüchtete aus der Ukraine. "Ich habe natürlich großes Verständnis dafür, dass der Bund sparen muss. Aber gerade bei den Ukrainern sehe ich nicht nur eine Bleibeperspektive, sondern vor allem auch eine Perspektive, die dem Arbeitsmarkt hilft – und dafür sind die Kurse notwendig", sagte sie.