ThüringenWarum manche Vögel auf den Zug nach Süden verzichten

Jedes Jahr treten viele Vögel die weite Reise gen Süden an. Einige sind sogar schon unterwegs. Doch manche verbringen die kalten Monate auch in Thüringen.
Erfurt (dpa/th) - Ob Störche oder Singvögel: Die ersten Vögel in Thüringen sammeln sich bereits für die Reise in den Süden. Manche machen sich jedoch inzwischen gar nicht mehr auf den mitunter gefährlichen Weg und überwintern in Thüringen, wie Tino Sauer, ein Vogelexperte des Thüringer Naturschutzbunds (Nabu), erklärte. Als Beispiel nannte er den Storch.
Gerade in Mittelthüringen sei die Tendenz zu beobachten, dass Störche den Winter hier verbringen. "Die ziehen dann gar nicht mehr weg, die versuchen dann hier klarzukommen", sagte Sauer. Zwar müssen sie schauen, wo sie Nahrung finden. Aber in Thüringen zu bleiben biete auch Vorteile. So müssten sich die Tiere nicht den Gefahren aussetzen, die mit dem langen Zug in Richtung Afrika verbunden sind. Außerdem müssten sie sich so kein neues Brutgebiet suchen und könnten ihren Horst einfach weiter nutzen.
Rund zehn Prozent der Storch-Population verbringe Schätzungen zufolge den Winter in Thüringen. Diese Tendenz sei in den vergangenen zehn Jahren zu beobachten. "Zuerst hat man immer gedacht, das wäre ein Phänomen - aber jetzt ist das eine Strategie", sagte Sauer. Und wenn es zu kalt werde, etwa mit 30 Zentimetern Schnee und Starkfrost, müssten die Tiere in wärmere Gefilde ausweichen.
Auch andere Arten überwintern hier
Bedingt durch Klimawandel und mildere Phasen bleiben einige Arten häufiger hier oder breiten sich aus. So brüteten auch immer mehr Vögel in Deutschland, die eigentlich in Südeuropa beheimatet seien, so Sauer. Als Beispiel nannte er den Bienenfresser.
Zudem lasse sich bei manchen Singvogelarten teils seit mehr als fünf Jahrzehnten beobachten, dass einige den Weg gen Süden in den kälteren Monaten nicht mehr antreten. Bei den Kranichen, die zu Tausenden im Herbst durch das Land ziehen, sei eine gewisse zeitliche Verlagerung zu beobachten. So blieben einige gar bis Ende Dezember - und kehrten dann im Februar wieder nach Deutschland zurück.
Sammeln für Vogelzug seit Ende Juli
Bereits Ende Juli begann laut dem Ornithologen das Sammeln für den Vogelzug der verschiedenen Vogelarten. Vor allem an Seen oder Flüssen lasse sich das beobachten. Dort bereiten sich die Vögel Sauer zufolge auf den Zug vor, indem sie sich etwa Reserven anfressen oder die Jungtiere Flugübungen machen.
Mit dem Mauersegler sei die erste Vogelart sogar schon weg. "Der bricht immer schon in der ersten Augustwoche auf". Der Höhepunkt des Vogelzuges sei jedoch erst Richtung September und Oktober.