Reise

Wut auf Madeira Die Profitgier tötete mit

Nicht nur die Natur war schuld an der der Unwetterkatastrophe auf Madeira. Schlampigkeit beim Bauen und Profitgier im Tourismussektor haben mit getötet und zerstört.

Das Urlauberparadies Madeira kam auch Montag, zwei Tage nach der verheerenden Unwetterkatastrophe mit mindestens 42 Toten, nicht zur Ruhe. Während sich Rettungsteams bei der Suche nach verschütteten Überlebenden ein Wettrennen gegen die Zeit lieferten und Hunde neue Leichen auf einem überfluteten Parkplatz der Hauptstadt Funchal fanden, vermischten sich Wut und Trauer auf der Atlantik-Insel. Nicht nur die Natur war schuld, sind sich Experten und Medien weitgehend einig. Schlampigkeit im Bausektor und Profitgier im Tourismussektor haben mit getötet und zerstört.

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Erdrutsch beim Dorf Curral das Freiras im Inneren der Insel.

(Foto: AP)

"Die Überschwemmungen sind Folge der unzähligen Fehler bei der Besiedlung der Insel", klagt Hélder Spínola von Portugals Umweltschutz-Organisation Quercus. Alle Experten-Warnungen seien in den vergangenen Jahren in den Wind geschlagen worden. Die vielen Bauten an den Ufern und in Risikogebieten, die illegale Entsorgung von Müll und Bauschütt in Flüssen und zunehmende Bodenversiegelung seien für die nun herrschende Katastrophe mit verantwortlich, meinte Spínola im Gespräch mit Journalisten. Das Wasser könne nicht mehr wie früher abfließen. Der Experte fordert: Die Behörden und die Bauindustrie müssten endlich aus den Fehlern lernen.

Viele Unregelmäßigkeiten im Baubereich

Spínola steht mit seiner Meinung nicht allein da. Die Grünen in Portugal (PV) beklagen, die Behörden des bergigen Eilands hätten aufgrund privater Interessen viele Unregelmäßigkeiten im Baubereich zugelassen. "Die Fehler im Städtebau kommen nun teuer zu stehen", titelt unterdessen die Zeitung "Diario de Noticias". Das Blatt beklagt den "starken Druck der Immobilienbranche im Tourismussektor" sowie den "Bau von Straßen (...), die Wasserläufe unterbrochen und abgewürgt haben". "Wenn es hier schon ein bißchen regnet, haben wir eine Überschwemmung", bestätigt eine Hausfrau in Funchal.

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Suche nach Opfern in Santo Antonio.

(Foto: AP)

Stadtverwaltungen, Feuerwehr und Zivilschutz kommen auch an den Pranger. "Die Notdienste waren überhaupt nicht vorbereitet", meint der Präsident des Verbandes der Sicherheitstechniker und Ingenieure, Ricardo Ribeiro. Einige Betroffene hätten 24 Stunden auf Hilfe warten müssen, sagt er. Es gibt weitere Ungereimtheiten. Ein Polizeioffizier staunte: "Die mit Suchhunden ausgestatten Rettungsteams wurden am Samstag nach einem ersten Marschbefehl zurückbeordert. Schon sehr komisch, da Menschenleben auf dem Spiel standen", meinte er zum "Jornal da Madeira".

Abhängigkeit vom Tourismus

Die Behörden reagieren auf solche Kritik verständlicherweise empfindlich. Die Wirtschaft der Insel, die vor 35 Jahren noch zu den ärmsten Regionen Europas gehörte, hängt zum größten Teil vom Tourismus ab. Vor allem Briten und Deutschen besuchen gern die "Blumeninsel". Im Zuge der Krise war aber im vergangenen Jahr die Zahl der Besucher schon um 9,1 Prozent oder 117.000 auf 1,28 Millionen zurückgegangen. Von der Agrarwirtschaft mit Wein- und Zuckeranbau können die 265.000 "Madeirenses" nicht (über-)leben.

Funchal-Bürgermeister Miguel Albuquerque räumt zwar ein, dass "die eine oder andere Bau-Entscheidung falsch war", für die Tragödie vom Wochenende könne man diese aber nicht veranwtortlich machen. Der Regierungschef der autonomen Region, Alberto Joao Jardim, appelliert unterdessen an die Medien: "Wir dürfen das alles nach außen nicht zu sehr dramatisieren". Es gehe um die Wirtschaft.

Quelle: n-tv.de, Emilio Rappold, dpa

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