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Lebensgefahr durch Algen in Bretagne Einatmen kann tödlich sein

In Frankreich hat ein Regierungsgutachten die Lebensgefahr durch Giftalgen an den Stränden der Bretagne bestätigt. An einigen Stellen der Touristenregion seien Konzentrationen von giftigem Schwefelwasserstoff gemessen worden, die beim Einatmen über mehrere Minuten für Menschen "tödlich sein können", teilte das staatliche Institut für Umweltrisiken (Ineris) mit. Es empfahl, betroffene Strandabschnitte zu sperren und Menschen, die bei der regelmäßigen Beseitigung der Algen mithelfen, mit Warnmessgeräten auszustatten.

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Algen, so weit das Auge reicht, am Strand von St. Michel-en-Greve in der Nord-Bretagne.

(Foto: dpa)

Die Algen sorgen seit Ende Juli für Schlagzeilen, nachdem ein Pferd durch die Faulgase der am Strand verrottenden Algen verendete. Sein Reiter wurde bewusstlos. Danach wurden dort bis zu einem Promille Schwefelwasserstoff in der Luft nachgewiesen. Das sei 200 Mal so viel wie in der Industrie erlaubt, berichtete die Pariser Zeitung "Le Figaro". Auch der Tod mehrerer Hunde sowie eines Joggers in früheren Jahren werden nun mit den Algen in Zusammenhang gebracht.

Giftalgen werden Chefsache

Umweltschützer sehen als Grund für die Algenplage massenweise ins Meer geschwemmte Düngemittel aus der Landwirtschaft. Premierminister François Fillon brach seinen Urlaub ab und machte die "Killer-Algen" jetzt zur Chefsache. Er ließ sich heute von drei Ministern begleitet vor Ort in Saint-Michel-en-Grève an der Côte d'Armor über die Lage informieren.

In der Bretagne, deren Haupteinnahmequellen sowohl Tourismus als auch Landwirtschaft sind, hat die Algenpest inzwischen eine heftige Auseinandersetzung zwischen Bauern und Umweltschützern ausgelöst. Der Sprecher der Umweltinitiative "Halte aux marées vertes", André Ollivro, sieht sich laut der Zeitung "Le Parisien" massiven Einschüchterungsversuchen durch Bauern ausgesetzt. Er habe Klage eingereicht, nachdem er per Post eine Todesanzeige erhalten habe und eine Fuhre Mist vor seiner Tür abgeladen worden sei.

Abtransport der Algen-Berge problematisch

Seit Jahren wuchert in der Bretagne der Meersalat von Mai bis Oktober in Küstenzonen mit wenig Wasseraustausch. Das Pariser Umweltministerium macht dafür den hohen Nitrateintrag durch die Landwirtschaft verantwortlich. Jährlich werden in der Bretagne 70.000 Kubikmeter abgestorbenen Meersalats eingesammelt. Doch in Uferregionen mit weichem Grund lässt man die Algen einfach verrotten, weil die schweren Räumgeräte dort einsinken würden.

Quelle: n-tv.de, abe/AFP/dpa

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