Reise
Der Weg ist abwechslungsreich.
Der Weg ist abwechslungsreich.(Foto: Sonja Gurris)
Samstag, 21. Oktober 2017

Weg des Telemark-Widerstands: Wandern auf den Spuren der Nazi-Saboteure

Von Sonja Gurris, Rjukan

In einem idyllischen Tal in der Telemark wollten die Nazis im Zweiten Weltkrieg schweres Wasser konfiszieren. Doch mutige Widerständler stoppten sie. Heute kann man bei einer Wanderung auf den Spuren der Saboteure mehr darüber erfahren.

Die Bäume strahlen farbenfroh in Orange, Gelb und Rot, die Wälder der Telemark bieten den perfekten Indian Summer - und die Temperaturen sind ideal zum Wandern. So gut hatten es die norwegischen Widerstandskämpfer in der Zeit des Zweiten Weltkriegs nicht. Ganz im Gegenteil. Denn sie waren nicht zum Vergnügen unterwegs, sondern hatten eine sehr ernste Mission, bei der sie nicht entdeckt werden durften. Deshalb mussten sich sie sich durch alle widrigen Wetterverhältnisse kämpfen.

Schweres Wasser in Vemork

Blick auf das heutige Industriemuseum und Weltkulturerbe Vemork.
Blick auf das heutige Industriemuseum und Weltkulturerbe Vemork.(Foto: Sonja Gurris)

Sie sollten das Wasserkraftwerk in Vemork sprengen. Denn dort wurde als Nebenprodukt der Wasserstoffgewinnung auch Schweres Wasser geschaffen. Dafür hatte man vor dem Zweiten Weltkrieg keine Verwendung, doch die deutschen Nationalsozialisten waren während ihrer Besatzung in Norwegen daran interessiert, weil sie Schwerwasser für den Bau einer Atombombe benötigten. Um eine solche Entwicklung aufzuhalten, machten sich neun Partisanen heimlich von der Hochebene Hardangervidda die steilen Schluchten hinunter auf nach Vemork. Genau diesen Weg der Nazi-Saboteure - den "Sabotørstien" - können Wanderer heute ebenfalls gehen.

Der Saboteurspfad ist einer der größten Attraktionen in der Telemark. Tourguide Mike ist gebürtiger Waliser, doch er hat sich in die norwegische Natur verliebt und ist seit seiner Auswanderung 1993 so oft wie möglich draußen unterwegs. Er selbst war früher Gebirgsjäger und hat somit ein gutes Gespür dafür, wie er die Geschichte der Widerstandskämpfer auf dem acht Kilometer langen Pfad erklärt. "Die Saboteure mussten sich bis nach Vemork auf geheimen Wegen durchschlagen. Insgesamt waren es neun, wobei zwei in den Bergen blieben", erzählt Mike den Wanderern.

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Zu Beginn des Pfades bleibt er an einem großen Loch stehen: "Was glaubt ihr, was das ist? Das ist ein Bombenkrater aus dem Zweiten Weltkrieg", erklärt er und löst damit Erstaunen aus. Das erste Drittel des Weges geht es kontinuierlich bergauf. Immer wieder erklärt Mike, wie schwer es für die Saboteure war, unbemerkt voranzukommen, um ihre Mission zu erfüllen. Ab und zu macht er halt und erzählt, umgeben von beeindruckender Natur mit kleinen Wasserfällen und Gipfeln, wie die Widerstandkämpfer immer näher an ihr Ziel Vemork gelangten.

Auch Wanderer kämpfen ein wenig

Der Blick ins Tal ist spektakulär.
Der Blick ins Tal ist spektakulär.(Foto: Sonja Gurris)

Der Wanderer heute muss auch ein wenig kämpfen, wenn er mit der Hand an einem Seil einen steilen Berg hinunterläuft. Aber bitte ganz langsam! Das starke Gefälle ist nichts für schwache Nerven. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Saboteure damals keine solche Befestigung vorfanden. Mindestens 10 Minuten dauert die vorerst schwierigste Passage am Berg. Dann kann man entweder den Pfad an der Straße beenden - oder noch einmal ein richtiges Abenteuer erleben. Sich entlang eines Seils hinunterschlängeln ist dann erst der Anfang. Je tiefer es Richtung Tal geht, umso schwieriger wird der Weg. Ab diesem Punkt dürfen sich Wanderer nur mit einem geübten Tourguide auf den Weg machen. Warnschilder weisen Besucher darauf hin. Gute 20 Minuten später gelangt die Wandergruppe an den Rjukanfossen - den Fluss, der das Tal durchkreuzt. Ist das nun das Ende des Weges? Nein.

Die Flussüberquerung ist eine echte Herausforderung - jedenfalls, wenn man nicht nass werden will.
Die Flussüberquerung ist eine echte Herausforderung - jedenfalls, wenn man nicht nass werden will.(Foto: H. Tamcke)

"Hier müsst ihr rüber. Versucht das Seil zu greifen, das über den Fluss gespannt ist. Haltet euch daran fest und versucht dann mit euren Füßen die Steine im Wasser zu erreichen". Als Mike vorausgeht, sieht das alles ganz einfach aus. Doch all diejenigen, die ihm hinterhereifern, merken schnell, dass nasse Füße möglich sind. De facto werden einige Paar Schuhe durchnässt. Nichtsdestotrotz muss es weitergehen, noch einige Hundert Meter rauf Richtung Vermork.

Die letzten Energiereserven werden nach etwa vier Stunden aktiviert. Wie müssen sich die Saboteure wohl gefühlt haben, als sie es hier hinauf geschafft haben? Sicherlich waren sie genauso angestrengt wie die Wanderer heute. Doch sie sollten letztendlich erfolgreich sein, die Nazis konnten das Schwerwasser nicht nach Deutschland bringen. Es ist eine Partisanen-Heldengeschichte, die weit über die Telemark hinaus strahlt und heute durch den "Saboteurpfad" weiter geehrt wird.

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Pressereise entstanden.

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Quelle: n-tv.de