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Urlaubsguru hat in Unna sogar einen Store eröffnet. Eher untypisch, weil die Nutzer online buchen.
Urlaubsguru hat in Unna sogar einen Store eröffnet. Eher untypisch, weil die Nutzer online buchen.(Foto: David Zabel/Urlaubsguru/dpa-tmn)
Dienstag, 28. November 2017

Urlaubsguru und Urlaubspiraten: Zwischen Schnäppchenportal und Reisebüro

Im Internet können Reisende viele Schnäppchen machen - besonders bei Online-Portalen, die einzelne Bausteine wie Hotel und Flug anpreisen. Firmen wie Urlaubsguru und Urlaubspiraten profitieren, doch manchmal braucht es auch ein Reisebüro.

Die Unternehmenszentrale von Urlaubsguru in Holzwickede sieht von außen unscheinbar aus. Das Reiseportal macht keine Außenwerbung - warum auch, als Internetfirma? Trotzdem stand eines Tages ein älterer Herr vor der Tür und wollte eine Reise buchen. "Er hatte von seinem Enkel gehört, dass wir im Internet günstige Reisen zusammenstellen", erzählt Daniel Krahn, einer der Gründer von Urlaubsguru. Man habe den Mann hineingebeten und seinen Wunsch erfüllt, "betreutes Buchen" sei das gewesen.

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Der ältere Herr blieb nicht der einzige Kunde, der direkt vor Ort vorbeischaute. Und so eröffnete Urlaubsguru im April 2017 ein stationäres Reisebüro im benachbarten Unna. Store wird es genannt. Der Laden sei ein voller Erfolg, sagt Geschäftsführer Krahn. Ableger in anderen Städten sind geplant. "Wir sehen da großes Potenzial." Klingt wie eine Rolle rückwärts für ein erfolgreiches Online-Portal mit etwa 6,7 Millionen Facebook-Fans - doch das stimmt nicht. Urlaubsguru und Urlaubspiraten (9 Millionen Facebook-Fans, Sitz in Berlin) sind die zwei großen Player unter den Schnäppchen-Portalen im Netz. Beide waren anfangs nicht unbedingt für den gewöhnlichen Urlauber gemacht. Die angebotenen Reisen gingen in Backpacker-Länder in Asien und Südamerika, auch Work-and-Travel in Australien war oft dabei. "Das waren oft keine klassischen Reiseziele für die Masse", sagt Urlaubspiraten-Mitgründer Igor Simonow. "Wir hatten viel Palau."

Experten finden die Schnäppchen

Das Prinzip sah so aus: Experten durchstöberten den ganzen Tag das Internet auf der Suche nach Schnäppchen, etwa nach Error Fares von Airlines, fehlerhaft günstigen Preisen. Dann suchten die Mitarbeiter manchmal noch ein günstiges Hotel: Fertig war das Paket, das der Community auf Facebook präsentiert wurde. Gebucht wurde immer beim Anbieter der Leistung selbst - also bei der Fluggesellschaft oder beim Hotel-Portal. Der Vermittler kassierte eine Provision.

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Auf diese Weise gehen Urlaubsguru und Urlaubspiraten noch heute auf die Schnäppchen-Suche. "Am Prinzip hat sich nichts geändert", sagt Simonow. Doch die zwei Anbieter sind heute echte Online-Reisebüros, Vollsortimenter könnte man sagen, die auf ihren Websites etwa auch klassische Pauschalreisen von Tui und Neckermann anbieten. Diese Reisen kommen aus den IT-Systemen des Dienstleisters Traveltainment, den auch die stationären Reisebüros in Deutschland nutzen. Angebote für einzelne Flüge und Hotels laufen sowohl bei Urlaubsguru als auch Urlaubspiraten über die Meta-Suchmaschine Kayak ein. "Die Angebotsvielfalt hat sich erhöht", fasst Krahn zusammen. Die besten Schnäppchen werden weiterhin auf der Startseite präsentiert.

Große Buchungen eher im Reisebüro

Urlaubspiraten will dabei mehr Service als ein normales Reiseportal bieten, das im Zweifel lediglich einen günstigen Preis ausspuckt. Die Redakteure prüfen die Schnäppchen: Ist der Preis nur so günstig, weil in dem Land gerade Regenzeit ist oder der Strand gesperrt? Weil das Hotel renoviert wird? Gibt es Waldbrände in der Nähe? Darauf wird der Nutzer hingewiesen. "Wir sehen uns als Zwischenlösung zwischen Reisebüro und Online-Reiseportal", sagt Simonow. Warum nun der Store von Urlaubsguru? Der Anbieter sieht sich als Hybrid, wie Krahn erläutert: "Die Leute wissen, man kann im Netz gute Schnäppchen ergattern, aber sie trauen sich oft nicht, dort eine Reise für mehr als 500 Euro zu buchen." Also kommen sie in den Laden. Das dürfte für viele Urlauber auch der Grund sein, in eines der knapp 10.000 anderen Reisebüros in Deutschland zu gehen.

Um sich abzugrenzen, hebt Krahn die Vielfalt des Angebots und die Unabhängigkeit von Urlaubsguru hervor. Man biete etwa auch Airbnb an und sei von Veranstaltern unabhängig. Grundsätzlich verkaufen Urlaubsguru und Urlaubspiraten alles, was im Internet buchbar ist. Und das sei oft mehr als der Urlauber in einem gewöhnlichen Reisebüro bekomme - so die Argumentation.

Beratung immer noch gefragt

Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV) hält dagegen: 9181 von derzeit insgesamt 9983 Reisebüros böten die Auswahl zwischen mehreren Reiseveranstaltern. Die Büros seien unabhängig, gleichwohl entscheide jeder Unternehmer selbst, was er anbietet. Mehr Auswahl sollen Kooperationen etwa mit dem Portal Expedia bringen, das eine riesige Anzahl an Hotels in seiner Datenbank hat. Kürzlich hat zum Beispiel die Vertriebsorganisation Derpart eine Kooperation mit Booking.com geschlossen. Insgesamt 520 Reisebüros erhalten Zugriff auf das Angebot des Portals. Reisebüros arbeiten auch mit sogenannten Bettenbanken zusammen, die Zugriff auf Hotels haben, die häufig nicht in den Programmen und Katalogen der Reiseveranstalter zu finden sind.

Geht es um stationäre Reisebüros, wird stets die kompetente und persönliche Beratung durch einen Experten hervorgehoben. Letztlich ist es genau dies, was auch Urlaubsguru und Urlaubspiraten auf ihren Websites bieten wollen. Wird dort zum Beispiel ein extrem günstiger Las-Vegas-Flug präsentiert, gibt es auch Infos zu Hotels, Apartments, Mietwagen, Gepäckbestimmungen und den Einreisebestimmungen für die USA. Urlaubern, die hier zuschlagen, ist der günstige Preis meist wichtiger als die Sicherheit eines Pauschalreisepakets. In dieser Hinsicht haben sich Urlaubsguru und Urlaubspiraten nicht verändert.

Quelle: n-tv.de