Wie gut ist das Flagschiff?Roborock Saros 20 im Test: Dieser Saugroboter klettert fast wie eine Katze
Er soll stärker saugen als viele Kabel-Staubsauger, bis zu 4,5 Zentimeter hohe Hindernisse überwinden und die Wartung weitestgehend selbst übernehmen: Roborock positioniert den Saros 20 als neuen Premium-Saugroboter. Im Test zeigt sich, ob das Gerät das High-End-Versprechen hält.
Die Zeiten, in denen Saugroboter einfach nur Staub einsammelten, sind längst vorbei. Hersteller wie Roborock, Dreame und Ecovacs rüsten ihre Topmodelle immer weiter auf und kämpfen mit Aufräum-Funktion und Kletter-Modus um Kundschaft. Das klappt mal besser, mal weniger gut. Nun schickt Roborock mit dem Saros 20 sein neues Saugroboter-Flagschiff ins Rennen.
Er soll bis zu 4,5 Zentimeter hohe Schwellen erklimmen, Kanten und Ecken gründlich reinigen und nebenbei Haustiere aufspüren. Der Preis ist dementsprechend: Die UVP liegt bei 1.499 Euro. Unentschlossene möchte Roborock zum Verkaufsstart am 26. Februar mit einem Early-Bird-Rabatt locken: Bis zum 11. März verkauft das Unternehmen den Saros 20 zum Preis von 1.289 Euro. Obendrauf gibt es im Aktionsraum zusätzliche Wischpads, Staubbeutel und Bürsten und die Garantie wird von zwei auf drei Jahre verlängert.
Hinweis: Die Preise sind volatil und die Händler passen bisweilen auch die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) an. Sollten sich die Preise von den hier angegebenen unterscheiden, haben die Händler sie nach Veröffentlichung des Artikels geändert.
Wer ungern selbst zum Staubsauger greift, soll für das Geld auch einiges geboten bekommen. Roborock verspricht bis zu 35.000 Pascal (Pa) Saugleistung, um auch flauschige Teppiche und Fugen gründlich zu säubern. Damit läge das Gerät deutlich über vielen kabelgebundenen Mittelklasse-Staubsaugern, die oft bei rund 20.000 Pa liegen. Beim Wischen sieht es ähnlich aus: Bis zu 13 Newton (N) Anpressdruck sollen möglich sein – für einen Saugroboter ist das Oberklasse.
Das gefällt uns am Saros 20 gut...
Starke Saugleistung
Überwindet Hindernisse
Ausgereifte Navigation
Flaches Design
Wartungsarme Dockstation
... und das nicht:
Übersieht Ecken beim Reinigen
Keine Reinigungslösung inklusive
Kurz und knapp: Starkes Premium-Gerät mit kleinen Schwächen
Der Roborock Saros 20 überzeugt im Test mit sehr hoher Saugleistung, ausgefeilter Navigation und einem außergewöhnlichen Fahrwerk. Besonders die Fähigkeit, hohe Türschwellen zu überwinden, hebt ihn von vielen Konkurrenten ab. Er klettert höher als Dreames Topmodell X50 Ultra Complete und ist noch niedriger.
Schwächen zeigt er bei Schmutzresten in Ecken, außerdem fehlt uns das Reinigungsmittel im Lieferumfang. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 1.449 Euro. Damit bewegt sich der Saros 20 klar im High-End-Bereich. Wer bereit ist, entsprechend zu investieren und einen weitgehend autonomen Reinigungsroboter sucht, bekommt mit dem Roborock Saros 20 ein technisch beeindruckendes Gesamtpaket.
Lieferumfang: Da fehlt doch was?
Schwarz und kompakt ist er, der Saros 20. Beim Auspacken fällt direkt auf, dass der Roboter mit knapp acht Zentimetern Bauhöhe extrem flach ist. Das liegt vor allem daran, dass Roborock bei der Navigation auf einen klassischen Laserturm verzichtet und stattdessen einen 3D-Sensor nutzt. Dieser erstellt laut Hersteller mithilfe von Infrarot ein Tiefenbild der Umgebung. Zusätzlich misst das Gerät Entfernungen per Laserimpuls. Erfreulicherweise ist der Großteil der Oberfläche matt und damit unempfindlich gegenüber Fingerabdrücken.
Bevor der neue Putz-Assistent loslegen kann, müssen die beiden Mopp-Scheiben angesteckt werden. Die Wartungs- und Absaugstation ist sofort einsatzbereit, es muss lediglich frisches Wasser eingefüllt werden. Ein kleiner Tank für Reinigungslösung ist vorhanden, das passende Mittel suchen wir allerdings vergeblich, denn Roborock liefert nichts mit. Bei einem Flaggschiff-Modell wäre das jedoch wünschenswert.
In der Roborock-App lässt sich der Saros 20 per QR-Code-Scan hinzufügen. Danach stehen zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten zur Verfügung: Kartenverwaltung, Sprachausgabe, Sperrzonen oder die Reihenfolge der Räume lassen sich ebenso festlegen wie das Intervall für die Moppwäsche.
Navigation: Ausweichen und Kletter-Akrobatik
Zunächst startet der Saros 20 eine Kartierungsrunde durch die Wohnung. Dabei zeigt sich: Roborock hat bei der Navigation nicht zu viel versprochen. Wo frühere Modelle wie der Q7 Max+ sich gelegentlich in Kabeln verhedderten oder Gegenstände verschoben, weicht der Saros 20 souverän aus. Ganz ohne Pannen klappt das zwar auch noch nicht, denn im Test nimmt er einen Beutel für Wäscheklammern mit und bei kleineren Gegenständen wie Legosteinen tut sich das Gerät schwer. Dennoch fährt der Saros 20 Räume nicht mehr stur Bahn für Bahn ab, sondern nutzt sein räumliches Sehen, um effizient zu navigieren. Allerdings braucht er für den Stuhlbeinwald unter dem Esstisch etwas länger und wählt nicht unbedingt die kürzeste Route.
Ein Highlight ist das Fahrwerk: Der Saros 20 kann Vorder-, Rück- und Seitenpartien seines Chassis anheben, um Hindernisse zu überwinden. "AdaptiLift" nennt Roborock die Technologie. Türschwellen erklimmt der Roboter, indem er sein Heck anhebt und sich mit Schwung über die Schwelle schiebt. Das sieht nicht nur beinahe akrobatisch aus, sondern führt auch dazu, dass der Roboter nicht dauernd festhängt. Im Test trat dieses Problem kein einziges Mal auf.
Saugen und Wischen: In der Küche wird es ernst
Nachdem der Saros 20 eine Karte der Wohnung erstellt hat, kehrt er zur Station zurück. Zeit zum Wienern! Als Standard ist Saugen und Wischen eingestellt, los geht’s. Der Saros 20 fährt die Bahnen gerade ab, weicht Hindernissen aus und schaltet in dunkleren Bereichen eine helle LED an. Die 35.000 Pa Saugkraft können wir nicht überprüfen, Hartböden reinigt er aber sehr zuverlässig: Katzenhaare, Katzenstreu, Staub und Krümel – alles landet im Behälter. Dabei hilft auch der ausfahrbare Flexi-Arm, an dem eine Bürste hängt. Eine flauschige Fitnessmatte wird zuverlässig erkannt. Der Saros 20 hievt den Korpus samt Wischpads in die Höhe, hört auf zu wischen und schaltet dafür beim Saugen einen Gang höher. Beinahe jeder Krümel wird gelöst und verschwindet, die Matte bleibt trocken. Wenn nicht gerade Teppiche gereinigt werden, bewegt sich die Lautstärke auf einem angenehmen Niveau, wir messen moderate 63 Dezibel, das bedeutet leicht über Zimmerlautstärke, aber klar unter wirklich störendem Lärm.
Beim Wischen setzt Roborock auf zwei rotierende Wischpads, das rechte kann via Flexi-Arm ausgefahren werden, um bis an den Rand zu schrubben. Die Pads drückt das Gerät Roborock zufolge je nach Verschmutzung unterschiedlich stark auf den Boden. Wir stellen das Ganze auf die Probe, in der Küche wartet eine kleine Tour de Schmutz auf den Saros 20: Kaffee, Olivenöl, Milch und Katzenfutter-Soße wollen beseitigt werden, am Rand und in einer Ecke warten außerdem Nudeln und Reis. Sicherheitshalber lassen wir den Saros 20 zwei Durchgänge machen. Tatsächlich werden die Flüssigkeiten zügig weggeschrubbt, auch das Öl hinterlässt keinen Schmierfilm. Der Reis wird zunächst etwas im Raum verteilt, nach und nach werden die einzelnen Körner aber nahezu vollständig aufgesaugt. Anders sieht das bei den Nudeln aus, die auch nach dem zweiten Durchgang beinahe unangetastet in der Ecke zurückbleiben.
Auch bei eingetrockneten Kaffeeflecken sind mehrere Durchgänge nötig. Bei festgetretenem Schmutz nützt nicht mal das etwas. Das ist aber bei anderen Saugroboter-Modellen auch nicht anders. Soll die Grundsauberkeit erhalten werden, leistet das Gerät gute Arbeit. Eine Steigerung kann eventuell auch mit dem passenden Reinigungsmittel erreicht werden. Da Roborock keins mitliefert, blieb es in unserem Test bei normalem Wasser.
"Hello Rocky, Wohnzimmer reinigen!"
Im Laufe der Tour durch die Wohnung fährt der Saros mehrmals für einen Boxenstopp zurück an die RockDock-Ladestation: Wischpads reinigen, Staub absaugen, Wasser nachfüllen und beim Akkustand von 13 Prozent genehmigt sich das Gerät auch mal eine Ladepause. Im Hintergrund optimiert die KI Roborock zufolge die Prozesse automatisch und passt die Leistungen und Routen an die jeweiligen Wünsche an.
Clever: Wird in der App eingestellt, dass der Saros 20 nur saugen soll, lässt er die Mopps automatisch in der Station zurück. Wer nicht ständig mit dem Handy rumfuchteln will, kann auch via Sprachassistent mit dem Gerät plaudern. Hört der Saros 20 die Begrüßung "Hello Rocky", antwortet er prompt mit "Hallo, wie geht's?" und ist bereit für Kommandos wie "Küche reinigen". Die exakten Befehle muss man allerdings kennen. Wer es mit "Reinige die Küche" probiert, bekommt den Hinweis, dass das Gerät diesen Befehl nicht kenne.
Nach der Arbeit kommt das wartungsarme Dock zum Einsatz: Roborock verspricht, dass die Reinigungspads mit bis zu 100 Grad heißem Wasser gereinigt und mit 55 Grad warmer Luft getrocknet werden. Die Temperaturen können wir nicht überprüfen, die Mopps wurden aber ausgiebig geföhnt und waren danach trocken. Auch die Bürsten waren weitestgehend haarfrei, da hat sich die Technik weiterentwickelt, denn das war vor ein paar Jahren noch anders. Reinigungsmittel dosiert das Dock eigenständig (das spart im Alltag Zeit), lediglich der Schmutzwassertank muss selbst geleert werden.
Extras: Katzen beobachten, nach Hause telefonieren
Interessant für alle Haustierbesitzer: Via App ist es möglich, den Saros 20 auch von unterwegs zu steuern und zum Beispiel Haustiere suchen zu lassen. Das Gerät macht sich dann auf die Suche nach Vierbeinern im Haus und vermerkt Sichtungen auf der Karte. Obendrein kann man das Geschehen durch das Auge des Roboters beobachten und auf Wunsch sogar durch dessen Mikrofon mit den Tieren oder anderen Mitbewohnern sprechen.
Damit Haustiere keine Panik bekommen, hält der Roboter einen gewissen Sicherheitsabstand und bewegt sich in ihrer Nähe langsamer. Unsere beiden Katzen nahmen den neuen Mitbewohner mit einer Mischung aus Neugier und Verwunderung zur Kenntnis, ließen sich aber nach kurzer Zeit nicht weiter stören.

