55 Jahre Bundesliga

Redelings über die Saison 12/13 FC Bayern - eine Spielzeit wie ein Märchen

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Mehr geht nicht: Bastian Schweinsteiger, Trainer Jupp Heynckes und Torwart Manuel Neuer .

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Satte 91 Punkte holt der FC Bayern in dieser Spielzeit. So viele wie nie ein Meister zuvor. Spannung in der Fußball-Bundesliga? Nö. Nur im Abstiegskampf. Und dann gibt's noch eine der ungewöhnlichsten Gelb-Roten Karten der Ligageschichte.

Was war das für eine Fabelsaison in der Fußball-Bundesliga, die der FC Bayern München da gespielt hat. Nachdem Borussia Dortmund ein Jahr zuvor die Messlatte mit 81 Punkten aus 34 Spielen scheinbar uneinholbar höher gelegt hatte, brechen die Münchener nur zwölf Monate später mit 91 Punkten spielerisch alle Rekorde - und dies nun wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagt: "Der FC Bayern 2012/2013 war ein Sommer-, ein Herbst-, ein Frühjahrs- und ein Wintermärchen - alles in einem."

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Und sie können ihre traumhafte Zeit unbeschwert genießen. Schon früh in der Saison ist allen klar, in dieser Spielzeit gehört der Titel nur einem Team. Am 28. Spieltag steht der Meister fest - mitten in den letzten Zügen eines kalten Winters. Der 68 Jahre alte Bayern-Trainer Jupp Heynckes merkt lächelnd an: "Bei solch kühlen Temperaturen bin ich noch nie Meister geworden, weder als Spieler noch als Trainer."

Eine ernsthafte Konkurrenz gibt es in dieser Saison für die Bayern nicht. Spätestens, als Borussia Dortmund am vierten Spieltag mit 2:3 in Hamburg verliert und die Serie von 31 Partien ohne Niederlage des BVB reißt, ist klar, dass die alte Dominanz des FC Bayern wiederhergestellt ist. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp sagt zwar: "Wir werden trotzdem weitermachen", aber das stellt sich schnell als Pfeifen im dunklen Wald heraus. In der Liga ist die Borussia ein Schatten ihrer selbst. Es hat den Anschein, als ob sich die Mannschaft recht bald auf die Champions League konzentriert. Und da ihr das immer erfolgreicher gelingt, ist der Finaleinzug der gelungene Ausgleich für eine eher durchschnittliche, aber trotzdem erfolgreiche Bundesligasaison.

"Wir treffen alles, nur nicht ins Tor"

Die Spannung in der Liga resultiert vor allem aus dem Kampf um die europäischen Plätze und dem bis zum letzten Moment abwechslungsreichen Treiben im Tabellenkeller. Nachdem Fürth auf den Spuren von Tasmania Berlin schon kurz nach der Winterpause nur noch theoretische Chancen auf den Klassenerhalt hat - "Wir treffen alles, nur nicht ins Tor" (Fürths Trainer Mike Büskens unmittelbar vor seiner Entlassung) –, versuchen Hoffenheim und Augsburg alles, um wenigstens nicht direkt abzusteigen. Der Relegationsplatz scheint für beide Vereine das höchste der Gefühle, da bereits sieben und zehn Punkte Rückstand auf den rettenden 15. Tabellenrang bestehen. Doch am Ende kommt mal wieder alles anders als gedacht.

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"Ich musste das als Exekutive durchziehen": Schiedsrichter Deniz Aytekin und Hannovers Szabolcs Huszti.

(Foto: imago sportfotodienst)

Die Düsseldorfer Fortuna, die nach dem 17. Spieltag vermeintlich beruhigende 21 Punkte auf dem Konto verbucht hat, steigt zusammen mit den Fürthern ab. Unglaublich, aber wahr: Düsseldorf kann nach dem 21. Spieltag keine einzige Partie mehr gewinnen. Gewohnt nüchtern betrachtet Fortuna-Trainer Norbert Meier nach dem 0:3 am letzten Spieltag bei Hannover 96 die Lage: "Letztlich lügt die Tabelle nach 34 Spieltagen nicht." Düsseldorfs Mittelfeldspieler Axel Bellinghausen reagiert hörbar emotionaler: "Wo Worte fehlen, sind Tränen manchmal das beste Ausdrucksmittel."

Die Schwäche der Fortuna hat der FC Augsburg mit einer fulminanten Aufholjagd am besten genutzt. Durch einen Sieg gegen Fürth in der letzten Partie der Saison schaffen sie den nicht mehr für möglich gehaltenen Sprung auf den rettenden 15. Tabellenplatz. Auf den roten T-Shirts des stolzen Nichtabsteigers steht: "Die Puppen tanzen weiter durch die Bundesliga."

Es ist die ungewöhnlichste Gelb-Rote Karte der Ligageschichte. Hannovers Mittelfeldmann Szabolcs Huszti reißt sich nach seinem späten Siegtreffer zum 3:2 gegen Werder Bremen sein Trikot über den Kopf, läuft in die Fankurve und klettert auf den Zaun. Schiedsrichter Deniz Aytekin zieht Gelb fürs Trikotausziehen und Gelb-Rot dafür, dass er auf den Zaun geklettert ist. Hinterher sagt er: "Ich musste das als Exekutive durchziehen." Huszti ist noch lange nach Spielschluss verwirrt. Immer wieder stammelt er ungläubig: "Ich habe keine schlimme Sache gemacht, ich wollte doch nur mit unseren Fans feiern."

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Quelle: n-tv.de

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