Fußball-WM 2018

Russland, ein Sommermärchen DFB wird gefressen, Island ist ein Huhn

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Russland-Fans feiern ihr Sommermärchen.

imago/ITAR-TASS

Russland erlebt in diesen WM-Tagen sein eigenes Sommermärchen. Ein guter Grund, mal zu gucken, was russische Märchen über die verschiedenen Fußball-Nationalmannschaften zu sagen haben - auch über die DFB-Elf.

Prinzessinnen und Prinzen, Wölfe und Füchse, wohltätige Fische und kaum aus der Erde zu reißende Rüben: Die russische Märchenwelt ist reich bevölkert und hat zu vielen Themen etwas zu sagen. Aber wie sieht das, Stichwort Sommermärchen, mit dem Thema Fußball aus? Nun, direkt erwähnt wird er im russischen Märchenschatz zwar nicht. Es gibt aber trotzdem eine ganze Reihe von alten Geschichten, die ganz klar die Ereignisse der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 symbolisch vorweggenommen haben.

Deutschland: Kolobok

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Auch die Besten scheitern mal.

(Foto: imago/MIS)

Der Kolobok, ein rundes Weißbrot, fällt beim Abkühlen von der Fensterbank ins Freie und läuft weg. Er läuft und läuft und läuft und begegnet immer wieder Tieren, die ihn fressen wollen. Jedem von ihnen singt er ein Lied vor, in dem er beschreibt, wie oft er schon entkommen ist und auch diesem Tier entkommen wird. Schließlich trifft er einen Fuchs, der behauptet, schwerhörig zu sein und das Lied des Kolobok nur hören zu können, wenn der sich direkt auf die Nase des Fuchses setzt. Der Kolobok tut das - und wird daraufhin gefressen.

Die Moral von der Geschicht': Selbst, wenn du dir das permanente Wegrennen zum Motto machst ("Best Never Rest"), ist das keine Garantie für den Erfolg. Kann sein, dass du am Anfang noch die Wärme des Weltmeistertitels in dir spürst. Aber wenn du jedes Mal bloß dasselbe Lied singst und trotz aller Anzeichen auch noch glaubst, damit dauerhaft durchzukommen, bist du irgendwann fällig. Das sind aber auch Füchse, diese Südkoreaner!

Island: Das Huhn mit den Tupfen

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Die Isländer spielen bei aller Liebe nur durchschnittlichen Fußball.

(Foto: imago/Xinhua)

Ein alter Mann und eine alte Frau hatten ein Huhn mit getupftem Gefieder. Eines Tages legte es ein goldenes Ei, also wollten Mann und Frau wissen, was darin steckt. Erst versuchte der Mann, es zu öffnen, doch es gelang ihm nicht. Dann versuchte die Frau, es zu öffnen, doch auch ihr gelang es nicht. Dann kam eine Maus, stieß leicht an das Ei, es fiel vom Tisch und zerbrach - da sah man, das darin nur normales Eigelb und Eiweiß waren. Die beiden Alten weinten, aber das Huhn sagte zu ihnen: "Seid nicht traurig, ich lege doch noch so viele Eier." Und das tat es auch, auch wenn nie wieder ein goldenes dabei war.

Die Moral von der Geschicht': Von huh! zu Huhn ist es nur ein kleiner Schritt, natürlich ist hier also von Island die Rede. Die Nationalmannschaft qualifiziert sich zum ersten Mal für die WM - eine Besonderheit, als legte ein Huhn ein goldenes Ei. Argentinien versucht, die Isländer zu knacken - erfolglos. Erst nach dem dritten Versuch wird klar: goldenes Ei oder nicht, in der Mannschaft spielen halt dann doch nur ganz normale Fußballer. Die aber, zum Trost, weiter Fußball spielen werden. Ohne Gold, aber mit viel Bodenhaftung.

Brasilien: Der haarige Mann

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Neymars Theater stört das Spiel.

(Foto: dpa)

Dem König fällt auf, dass jemand nach und nach sein Rapsfeld zerstört. Als der Täter gefasst wird, ist es ein Mann mit ungewöhnlich vielen, wilden Haaren. Er wird eingesperrt, entkommt aber und tut später dem verstoßenen Sohn des Königs allerlei Gutes, sodass der eine Prinzessin heiratet und später selber König wird.

Die Moral von der Geschicht': Der haarige Mann ist natürlich Neymar. Mit seinem theatralischen Umgefalle und Rumgerolle zerstört er nach und nach das Geschehen auf dem Spielfeld. Darum wird er selber nicht Weltmeister werden, sondern kann lediglich einer anderen Mannschaft dazu verhelfen, Weltmeister zu werden.

Russland: Der Feuervogel und Prinzessin Wassilissa

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Trainer Tschertschessow lässt seine Russen über sich hinauswachsen.

(Foto: dpa)

Ein Jäger findet auf einem seiner Ausritte zufällig die Feder eines Feuervogels. Als er sie dem König zeigt, verlangt der vom Jäger, ihm den Vogel zu fangen. Sein Pferd verrät dem Jäger einen Trick, und es klappt tatsächlich. Als zweites verlangt der König, dass der Jäger ihm die Prinzessin Wassilissa bringt, damit er sie heiraten kann. Auch hier gibt das Pferd dem Jäger den entscheidenden Rat und alles gelingt. Die Prinzessin will nicht heiraten ohne ihr Brautkleid, das am Grunde eines Sees liegt. Schwierig, aber das Pferd hilft erneut. Nun will die Prinzessin erst heiraten, wenn der Jäger in kochendes Wasser steigt. Allen ist klar, dass der Jäger keine Chance hat, das zu überleben, doch auch hier kennt das Pferd einen Trick. Der Jäger überlebt und darf anstelle des Königs die Prinzessin heiraten.

Die Moral von der Geschicht': Der König ist Stanislaw Tschertschessow, der Jäger ist die russische Nationalmannschaft, die auf seine Anweisung hin immer schwierige Aufgaben lösen soll. So bezwingt sie erst Saudi-Arabien, dann Ägypten, lässt sich selbst von Uruguay nicht ausbremsen und überrascht dann alle mit dem Sieg über Spanien. Das 4:3 im Elfmeterschießen ist das wider Erwarten überlebte Bad im kochenden Wasser. Das Pferd, das all dies möglich macht, ist je nach Deutung a) der Heimvorteil, b) systematisches Doping oder c) Wladimir Putin, oben ohne, auf einem Pferd.

Quelle: n-tv.de