Entwicklung sorgt für DebatteBundesregierung: Rentenalter steigt derzeit schneller als die Lebenserwartung in Deutschland

Das Rentenalter steigt nach offiziellen Daten derzeit schneller als die Lebenserwartung.
Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Laut Statistik hatten 65-Jährige zuletzt Aussicht auf weitere 19,4 Lebensjahre. Dieser Mittelwert der Jahre 2022 bis 2024 lag nach einigen Schwankungen auf demselben Niveau wie zehn Jahre zuvor. Das gesetzliche Alter für eine abschlagsfreie Rente wurde hingegen seit 2012 schrittweise um mehr als ein Jahr angehoben. Auch der tatsächliche Rentenstart verschob sich binnen zehn Jahren im Schnitt um gut 1,3 Jahre nach hinten.
Die Linken-Abgeordnete Sarah Vollath hatte die kleine Anfrage gestellt, um Rufe aus der Regierung nach einer weiteren Erhöhung des Rentenalters zu kontern. So hatte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) im September mit Blick auf ein Papier ihres Beraterkreises erklärt, "dass wir angesichts einer höheren Lebenserwartung länger arbeiten müssen".
Vollath hält dem entgegen: "Das stimmt einfach nicht." Aus der Antwort der Regierung auf ihre Anfrage schließt sie: "Die Lebenserwartung stagniert. Gleichzeitig steigt die Regelaltersgrenze schon jetzt immer weiter an."
Das gesetzliche Rentenalter wird bis 2030 in kleinen Schritten von 65 auf 67 Jahre erhöht, also um zwei Jahre. Die bis 2030 hochgerechnete Lebenserwartung wächst laut Antwort der Regierung aber im Mittel nur um ein Jahr für Männer und acht Monate für Frauen. "Die Regelaltersgrenze steigt zwischen 2012 und 2030 ungefähr doppelt so schnell wie die Lebenserwartung", schließt Vollath.
Die vollen zwei Jahre Zugewinn an Lebenszeit sind nach Angaben der Regierung in verschiedenen Rechenszenarien für Männer frühestens im Jahr 2035 und spätestens im Jahr 2056 erreicht; für Frauen dauert es im optimistischsten Szenario bis 2039 und im negativsten bis 2069.