Umstrittenes VorhabenBundesregierung will Erdgasförderung vor Borkum ermöglichen

Die Bundesregierung will einem Bericht zufolge den Weg für die umstrittene Erdgasförderung in der Nordsee vor Borkum freimachen. Dazu solle in Kürze der noch fehlende Vertrag mit den Niederlanden abgeschlossen werden, berichtete das Online-Magazin Politico aus Regierungskreisen. Über das Projekt habe Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor kurzem mit dem geschäftsführenden niederländischen Ministerpräsidenten Dirk Schoof gesprochen.
Das niederländische Unternehmen One Dyas will auf niederländischem Hoheitsgebiet eine Gasförderplattform installieren. Die Bohrungen sollen teilweise unter dem Meeresboden auf deutschem Hoheitsgebiet erfolgen. Das mit den entsprechenden Umweltprüfungen betraute niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat keine Einwände dagegen.
Nach Angaben der Behörde werden die geplanten Bohrungen in einer Tiefe von 1500 Metern bis 4000 Metern unter dem Meeresgrund verlaufen und nicht in ein Schutzgebiet hineinreichen. Weder die Anwohner auf den nordfriesischen Inseln und am Festland noch das Schutzgebiet Wattenmeer seien betroffen. Die Behörde verwies auch auf den Gasbedarf Deutschlands.
Damit tatsächlich Gas gefördert werden kann, braucht es noch ein zwischenstaatliches Abkommen mit den Niederlanden. Federführend zuständig ist das Bundeswirtschaftsministerium. Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte sich im vergangenen Sommer ablehnend geäußert. Für die Sicherung der deutschen Energieversorgung sei das niederländische Projekt "nicht nötig", sagte er damals dem "Spiegel".
Meeres- und Naturschutz erschienen ihm als "gewichtige Argumente" gegen das Vorhaben. Die Insel Borkum lehnt das Vorhaben ab. Die Pläne, an der niederländisch-deutschen Grenze in der Nordsee Erdgas zu fördern, gibt es seit Jahren. Vor dem russischen Angriff auf die Ukraine waren sie aber weitgehend ad acta gelegt worden.