Computer

InternetiPhone und iPad speichern Aufenthaltsorte

21.04.2011, 13:23 Uhr

Berlin (dpa) - Das iPhone und der Tablet-Computer iPad speichern dauerhaft die Aufenthaltsorte ihrer Nutzer anhand von Daten aus dem Mobilfunknetz. Datenschützer kritisierten diese von zwei IT-Experten in den USA öffentlich gemachte Praxis und forderten Apple zu Konsequenzen auf.

Berlin (dpa) - Das iPhone und der Tablet-Computer iPad speichern dauerhaft die Aufenthaltsorte ihrer Nutzer anhand von Daten aus dem Mobilfunknetz. Datenschützer kritisierten diese von zwei IT-Experten in den USA öffentlich gemachte Praxis und forderten Apple zu Konsequenzen auf.

«Diese Speicherung von Standortdaten ohne Kenntnis der Betroffenen wäre nach deutschem Datenschutzrecht sicherlich nicht zulässig», sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa.

Die Informationen über alle Aufenthaltsorte der vergangenen Monate übertragen die mobilen Geräte auf den Computer, an den sie beim Datenaustausch angeschlossen werden. Dort werden die Ortsangaben in einer versteckten Datei aufbewahrt, die mit spezieller Software ausgelesen werden kann. Die IT-Experten Alasdair Allan und Pete Warden fanden keine Anzeichen dafür, dass die Informationen an Apple oder andere weitergeleitet werden.

Der Konzern, der am Mittwoch neue Quartalsrekorde vorlegte, äußerte sich bislang nicht dazu. Die Aufzeichnung der Ortsdaten aus dem Mobilfunknetz begann vermutlich vor einem Jahr nach einer Aktualisierung des Betriebssystems iOS, das Apple für seine mobilen Geräte entwickelt hat. In Fachkreisen war sie bereits seit einiger Zeit bekannt, der breiten Öffentlichkeit nicht.

Der ehemalige Apple-Mitarbeiter Warden stellte im Internet eine Software namens iPhoneTracker bereit, mit der jeder iPhone- oder iPad-Besitzer die gespeicherten Daten auf einer interaktiven Karte darstellen und sich beliebig in die Regionen seiner Aufenthalte hinein- und herauszoomen kann. Auch in Deutschland ließen sich die Daten mit Hilfe der Software visualisieren.

Allan und Warden sehen ein Problem vor allem darin, dass sich Unbefugte Zugang zu diesen Daten verschaffen könnten, weil sie nicht verschlüsselt gelagert werden. Der deutsche Netzexperte Frank Rieger vom Chaos Computer Club (CCC) sagte, das Risiko in diesem Fall sei vor allem, dass das Telefon verlorengehe und die Daten ausgelesen würden. Oder dass jemand auf den Computer zugreife, auf dem eine Kopie der Daten liege, «und dann die Aufenthaltsorte der letzten Jahre verfügbar und auslesbar sind, ohne dass der Benutzer davon wusste».

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Schaar sagte, die Datenschutzbehörde Bayern habe sich der Angelegenheit angenommen. «Sie recherchiert und wird Apple auch formell auffordern, diese Fakten zu klären und dazu Stellung zu nehmen. Dann wird es eine Bewertung geben, und wenn die negativ ist, wovon ich ausgehe, dann muss Apple seine Praxis ändern.»

Die Geräte ermitteln die Standortdaten offensichtlich anhand der Signale von Mobilfunk-Zellen, erläuterten Allan und Warden auf einer Konferenz des Verlags O'Reilly über Lokalisierungstechniken im kalifornischen Santa Clara. «Das ist weniger Präzise als mit GPS, aber verbraucht wahrscheinlich weniger Strom.» GPS-Ortungsdienste kann ein Nutzer von iPhone oder iPad in den Einstellungen ausschalten. Schaar forderte das Bundesinnenministerium auf, die angekündigte Vorlage zur Regelung des Umgangs mit Ortungsdaten möglichst bald fertigzustellen.

Die beiden Experten stießen nach eigenen Angaben zufällig auf die Datensammlung, als sie an einem Datenvisualisierungs-Projekt arbeiteten. Zunächst sei ihnen selbst unklar gewesen, dass Informationen über einen so langen Zeitraum gespeichert wurden. «Weder Pete noch ich glauben, dass es eine Art Verschwörung gibt, wir sind jedoch beide darüber besorgt, das so detaillierte Ortsinformationen gespeichert werden», schrieb Allan.

Es blieb zunächst unklar, warum die Daten gespeichert werden. Eine Vermutung war, dass die Datenspeicherung etwas mit einem Apple-Dienst zu tun haben könnte, über den das Unternehmen anbietet, ein verlorenes oder gestohlenes Gerät wiederfinden zu können.

Auch Mobilfunk-Provider erheben beim Betrieb ihrer Netze zum Teil solche Informationen. «Wenn Sie sich mit Ihrem Mobiltelefon bewegen, wird neben der aktuellen Mobilfunkzelle auch die Anfangsfunkzelle gespeichert», sagte etwa eine Sprecherin der Deutschen Telekom am Donnerstag. Es sei aber immer nur der aktuelle Aufenthaltsort bekannt. «Die vorherigen Ortungen werden gelöscht. Bewegungsprofile werden nicht gespeichert.»

Quelle: dpa

Regionales