"Permanenter Wohlstandsverlust"DIW-Präsident rechnet mit langanhaltender Pleitewelle

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, rechnet wegen des erwarteten anhaltenden Wirtschaftsabschwungs mit einer Welle von Firmeninsolvenzen in den kommenden beiden Jahren. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass über die nächsten zwei Jahre deutlich mehr Unternehmen in die Insolvenz gehen oder ihr Geschäft einstellen müssen", sagte der DIW-Chef der "Augsburger Allgemeinen".
"Viele Unternehmen haben bereits infolge der Corona-Pandemie kaum noch Rücklagen und müssen jetzt zudem einen Einbruch der Nachfrage und höhere Energiepreise stemmen", sagte Fratzscher. Der Spielraum für Wirtschaftshilfen sei dabei derzeit begrenzt.
"Der Staat wird die Unternehmen wohl nicht wieder durch so großzügige Hilfen unterstützen wie in der Corona-Pandemie", sagte Fratzscher der Zeitung. Die Sorge sei, dass vor allem "junge, innovative Unternehmen pleitegehen, was die Transformation der Wirtschaft bremsen wird".
Mit einer schnellen Erholung sei nicht zu rechnen. Die deutsche Wirtschaft befinde sich in der Rezession, die sich in den kommenden Monaten noch deutlich vertiefen könnte, sagte Fratzscher. "Die wirtschaftliche Erholung wird wohl schwach und langwierig ausfallen."
Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute und die Bundesregierung gehen von einem Einbruch der Konjunktur im kommenden Jahr um 0,4 Prozent sowie von einer anhaltend hohen Inflation aus. Vor allem die Zuspitzung auf den Gasmärkten bedeute für Deutschland einen "permanenten Wohlstandsverlust".