Seit knapp sechs Jahren Deutsche Unternehmen sehen in geltender DSGVO einen der größten Bürokratietreiber

Die deutschen Unternehmen sehen in der seit knapp sechs Jahren geltenden Europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) einen der größten Bürokratietreiber. Mehr als drei Viertel beklagen einen "hohen bis extremen" Aufwand bei deren Umsetzung im betrieblichen Alltag, wie die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) am Dienstag zu ihrer Umfrage unter 4900 Firmen aus nahezu allen Branchen mitteilte. "Dieser Wert zieht sich über alle Unternehmensgrößen hinweg", sagte DIHK-Chefjustiziar Stephan Wernicke.
Besonders kritisch ist demnach die hohe Zahl an Beschwerden von kleinen Unternehmen mit bis zu 19 Beschäftigten: Von ihnen stuft fast jeder vierte Betrieb den eigenen DSGVO-Aufwand als "extrem" ein. "Hier sind aber konkrete Erleichterungen möglich, denn in Fällen mit nur wenigen Daten oder geringem bis normalen Risiko sind umfassende Dokumentationspflichten unverhältnismäßig", sagte Wernicke. "Sie bringen mehr Aufwand, aber nicht mehr Datenschutz." Das Gesetz lasse ausdrücklich Erleichterungen für kleine und mittlere Unternehmen zu. Das sollte allerdings klarer formuliert werden, damit es in der Praxis auch genutzt werden könne.
Insgesamt messen die Unternehmen dem Datenschutz einen hohen Stellenwert bei. Mehr als 60 Prozent geben an, dass die Bedeutung des Themas etwa aufgrund drohender Cyberangriffe in den vergangenen drei Jahren für sie zugenommen hat.
Neben der Bürokratiebelastung klagen die Unternehmen vor allem über Rechtsunsicherheiten und ihre Folgen. "Bemerkenswert ist: Unternehmen mit DSGVO-Erfahrungen in anderen EU-Mitgliedstaaten erleben die dortigen Datenschutzbehörden mehrheitlich als weniger streng als die deutschen Behörden", sagte Wernicke. Rund die Hälfte der Unternehmen sieht sich demnach auch innerhalb Deutschlands mit unterschiedlichen Rechtsauffassungen der zuständigen Datenschutzbehörden konfrontiert. "Solche Rechtsunsicherheiten bremsen die Digitalisierung und die Umstellung von Geschäftsprozessen", sagte der DIHK-Chefjustiziar.