Konjunkturbarometer des DIWDeutsche Wirtschaft mit durchschnittlichem Wachstum im Frühjahrsquartal

Die deutsche Wirtschaft hat dem DIW-Institut zufolge einen guten Start ins Frühjahrsquartal hingelegt. Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kletterte im April um fast zehn Zähler auf 101,5 Punkte, wie die Berliner Forscher am Mittwoch mitteilten. Damit liegt der Wert erstmals seit gut einem Jahr wieder leicht über der neutralen 100-Punkte-Marke, die ein durchschnittliches Wachstum der Wirtschaft anzeigt. "Nach dem Einbruch zum Jahreswechsel dürfte nun der erhoffte Aufschwung einsetzen", sagte DIW-Experte Timm Bönke.
Dazu dürfte vor allem die anziehende Industrieproduktion – auch in den energieintensiven Wirtschaftszweigen – zum Wachstum beitragen. "Zu Euphorie sollte das aber nicht verleiten", sagte die Co-Leiterin des DIW-Konjunkturteams, Geraldine Dany-Knedlik. Zwar hätten die zuletzt wieder niedrigeren Energiepreise sowie die stärkere Auslandsnachfrage die Produktion gestärkt. "Allerdings lasten die hohe Inflation und damit weiterhin niedrige Reallöhne auf den verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte", sagte die Expertin.
Insbesondere die deutsche Industrie sieht das DIW auf Erholungskurs. Sowohl die Produktion als auch die Auftragseingänge aus dem In- und Ausland legten im Januar und Februar jeweils zu. Die Lieferketten haben sich zuletzt entspannt – die Abkehr der chinesischen Regierung von der Null-Covid-Strategie und die damit verbundene Erholung der chinesischen Wirtschaft dürften dazu beigetragen haben. Bei den Dienstleistern sind die Geschäftserwartungen in Deutschland im April dagegen wieder etwas zurückgegangen. "Die deutsche Wirtschaft spürt den Frühling", sagte DIW-Konjunkturexperte Guido Baldi. "Sie ist aber durch die hohe Inflation und die Energiekrise immer noch deutlich angeschlagen und dürfte in diesem Jahr keine allzu große Dynamik entfalten."