Trotz globaler BelastungenDeutsche Wirtschaft zeigt sich überraschend robust

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich trotz Iran-Kriegs und hoher Energiepreise widerstandsfähig.
Im Juni legte nicht nur die Industrieproduktion im dritten Monat in Folge leicht zu - auch stiegen die deutschen Exporte auf einen Rekordstand, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Experten sprachen von einem Lichtblick, warnten aber vor zahlreichen Risiken für einen nachhaltigen Konjunkturaufschwung wie der weiteren Entwicklung in der Golfregion und der Hitze.
Die Produktion im Produzierenden Gewerbe wuchs nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Dreimonatsvergleich war die Industrieproduktion von April bis Juni 0,7 Prozent höher als in den drei Monaten davor. Maßgeblich sei die positive Entwicklung auf die Zuwächse in der Autoindustrie zurückzuführen, erklärte das Statistikamt: Hier legte die Produktion um 3,6 Prozent zu.
"Der moderate Aufwärtstrend der Produktion im Produzierenden Gewerbe setzt sich zur Jahresmitte fort", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Damit habe sich die Industrieproduktion "ungeachtet der außenwirtschaftlichen Belastungen im vergangenen Quartal als recht widerstandsfähig erwiesen".
Das Ministerium verwies auch auf eine Erholung im Baugewerbe. Daneben "könnte auch eine relative Verbesserung der Wettbewerbsposition bei den energieintensiven Industrien in Deutschland im Vergleich zu den asiatischen Konkurrenten eine Rolle gespielt haben". Asiatische Staaten sind stark abhängig von Öl und Gas aus der Golfregion und sind damit betroffen von Lieferengpässen und stark gestiegenen Preisen.
Ähnliches vermutete ING-Analyst Carsten Brzeski. "Einige Branchen oder Unternehmen scheinen tatsächlich vom Krieg im Nahen Osten profitiert zu haben, da asiatische Wettbewerber stärker von der Sperrung der Straße von Hormus betroffen waren", erklärte er. Insgesamt habe die deutsche Industrie überraschende Resilienz an den Tag gelegt, fuhr Brzeski fort. Für die nachhaltige Erholung der deutschen Wirtschaft bedürfe es aber weiterer Strukturreformen. Auch sei die kurzfristige Entwicklung von den Energiepreisen, dem Krieg in der Golfregion und der Hitzewelle abhängig.