"Potenzial nicht ausgeschöpft"Deutscher Ost-Handel wächst merklich – Anstieg auf rund 288 Milliarden Euro

Trotz des seit vier Jahren anhaltenden russischen Kriegs gegen die Ukraine läuft der deutsche Außenhandel mit Mittel- und Osteuropa sowie Zentralasien überdurchschnittlich gut.
Das Handelsvolumen mit den 29 Zielländern wuchs im vergangenen Jahr um 3,4 Prozent auf gut 550 Milliarden Euro, wie der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft am Dienstag mitteilte. Zum Vergleich: Der gesamte deutsche Außenhandel – Exporte plus Importe – legte nur um 2,4 Prozent zu. "Mercosur oder Indien mögen in Zukunft wichtig werden – die Gegenwart heißt Mittel- und Osteuropa", sagte die Ost-Ausschuss-Vorsitzende Cathrina Claas-Mühlhäuser bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz des Verbands in Berlin. "Die Region hat erneut einen entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung der deutschen Wirtschaft geleistet. Und die Wachstumspotenziale sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft."
Fast jedes fünfte deutsche Exportgut ging den Angaben zufolge 2025 nach Osteuropa. Die Ausfuhren in die Ost-Ausschuss-Region legten um 3,3 Prozent auf 288 Milliarden Euro zu. Allein die Exporte nach Polen und Tschechien wuchsen um fast neun Milliarden Euro. Polen hat sich als viertgrößter Absatzmarkt Deutschlands vor Italien und China etabliert: Die deutsche Güterausfuhr nach Polen überstieg die Lieferungen in die Volksrepublik um fast 19 Milliarden Euro. Auch die Exporte in die Ukraine stiegen 2025 um gut eine Milliarde Euro (+12,5 Prozent). Die Lieferungen in das mit Sanktionen belegte Russland brachen dagegen um mehr als neun Prozent ein, die Importe von dort um fast 31 Prozent.
Einer Umfrage des Ost-Ausschusses mit der Unternehmensberatung KPMG zufolge erwarten die deutschen Betriebe auch künftig steigende Umsätze in der Region. 63 Prozent rechnen in den nächsten fünf Jahren mit einem steigenden Anteil der Region an ihrem Umsatz. 39 Prozent sehen die Region auf Sicht als einen ihrer wichtigsten Beschaffungsstandorte weltweit, 41 Prozent planen innerhalb der nächsten zwölf Monate Investitionen dort.
"Die Unternehmen wollen dabei vor allem ihr Geschäft ausbauen, nicht abwandern", sagte der stellvertretende Ost-Ausschuss-Vorsitzende Philipp Haußmann. "70 Prozent der befragten Unternehmen schließen eine Produktionsverlagerung aus Deutschland kurzfristig aus, nur vier Prozent haben konkrete Pläne." Als größte Herausforderungen nannten die Unternehmen politische und Sicherheitsrisiken (60 Prozent).
Der Ost-Ausschuss fordert von der Politik, den EU-Binnenmarkt zu vertiefen, die Integration der Westbalkanländer, der Ukraine und Moldaus voranzutreiben sowie die Beziehungen mit Zentralasien auszubauen. "Ein starker, hindernisfreier Binnenmarkt, eine zügige EU-Erweiterung und der Brückenschlag über den Mittleren Korridor nach Zentralasien sind der Dreiklang für mehr Wettbewerbsfähigkeit der EU", sagte Claas-Mühlhäuser.