Rekord bei KreditkostenFrankreich überholt erstmals Griechenland

Das hat es noch nie gegeben: Die Kreditkosten Frankreichs sind am Montag erstmals über die von Griechenland gestiegen, das 2012 im Zentrum der europäischen Staatsschuldenkrise stand. Dem Datenanbieter LSEG zufolge lag die Rendite französischer Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit zwischenzeitlich bei 2,968 Prozent, die für griechische Papiere bei 2,908 Prozent.
"Die politische Entwicklung in Frankreich ist besorgniserregend, und die Nervosität der Finanzmärkte dürfte wohl noch geraume Zeit anhalten", sagte der Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Elmar Völker, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Risikoaufschläge für französische Staatsanleihen sind bereits in den vergangenen Tagen gestiegen. "Hintergrund ist die politische Entwicklung in Frankreich und der drohende Sturz der erst im Sommer ins Amt gekommenen Regierung Barnier", sagte Völker. Premierminister Michel Barnier ist bei der Verabschiedung seines Haushalts vom Wohlwollen des rechtsextremen Rassemblement National abhängig, die aber erhebliche Zugeständnisse verlangt.
Ein Vergleich mit Griechenland halten viele Experten aber dennoch für schief. Die griechischen Schulden liegen vor allem bei den europäischen Rettungsfonds EFSF und ESM beziehungsweise bei den anderen Euro-Staaten - und das mit vorwiegend sehr langen Laufzeiten. "Nur ein kleiner Teil ist über die Kapitalmärkte direkt aufgenommen", sagte LBBW-Experte Völker. "Dies beeinflusst natürlich den laufenden Refinanzierungsbedarf des griechischen Staates erheblich und die Risikobewertung der ausstehenden Staatsanleihen."