Im Zuge der Einigung mit Hamas Geiseltausch: Israel veröffentlicht Liste mit 95 palästinensischen Häftlingen

Im Zuge der Einigung zwischen Israel und der Hamas auf eine Waffenruhe und die Freilassung der Geiseln im Austausch gegen palästinensische Häftlinge könnten nach israelischen Angaben 95 Palästinenser aus israelischen Gefängnissen entlassen werden. Das israelische Justizministerium veröffentlichte am Freitag eine Liste mit 95 am Sonntag freikommenden palästinensischen Gefängnisinsassen. Vorher müsse allerdings die Regierung dem Abkommen zustimmen, die Freilassung werde "nicht vor Sonntag 16.00 Uhr (Ortszeit, 15.00 Uhr MEZ) erfolgen".
Die Einigung zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas nach 15 Monaten Krieg war am Mittwochabend verkündet worden. Das vom israelischen Sicherheitskabinett bestätigte Abkommen muss am Freitag noch von der Regierung in Jerusalem gebilligt werden. Es soll am Sonntag in Kraft treten und sieht in einer ersten Phase die Freilassung von 33 israelischen Geiseln im Austausch gegen mehrere Hundert inhaftierte Palästinenser vor.
Aus dem Umfeld der Hamas hieß es zuvor, dass im Austausch für die 33 israelischen Geiseln rund 1000 palästinensische Gefangene freigelassen würden, darunter auch Gefängnisinsassen, die langjährige Haftstrafen verbüßten. Ein israelischer Regierungsvertreter erklärte dagegen, "mehrere Hundert Terroristen" würden freigelassen, er könne jedoch keine genauen Zahlen nennen, da dies davon abhänge, wie viele von den 33 Geiseln noch am Leben seien. Die nun veröffentlichte Liste umfasst die Namen von 69 Frauen, 16 Männern und zehn Minderjährigen, darunter ein 16-Jähriger. Auf der Liste stehen nur sieben Häftlinge, die vor dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 inhaftiert wurden.
Unter den 69 Frauen ist die palästinensische Parlamentsabgeordnete Chalida Dscharrar von der radikalen Palästinensergruppe Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP). 2019 war Dscharrar nach einem tödlichen Angriff auf eine 17-jährige Israelin festgenommen worden, den Israel der radikalen PFLP zuschrieb, die unter anderem in Deutschland verboten ist. 2021 wurde Dscharrar nach der Verbüßung einer zweijährigen Haftstrafe in einem israelischen Gefängnis freigelassen. Im Dezember 2023 wurde sie erneut festgenommen und war seitdem ohne Anklage inhaftiert.
Die israelische Gefängnisbehörde erklärte am Freitag, sie bereite sich "auf die Freilassung palästinensischer Häftlinge" gemäß den Bedingungen des Abkommens vor. Demnach sollen die Gefangenen vor ihrer Freilassung im Ofer-Gefängnis im Westjordanland und im Gefängnis Schikma in Aschkelon zusammengeführt werden. Zur Vermeidung öffentlicher Jubelfeiern gab der Leiter des Gefängnisdienstes, Kobi Jakobi, der Erklärung zufolge "die Anweisung, dass die Begleitung (der aus dem Schikma-Gefängnis entlassenen Gefangenen) nicht durch Busse des Roten Kreuzes, sondern durch Spezialeinheiten erfolgen soll".