Studie zum MittelstandHohe Kosten und fehlende Alternativen bremsen deutsche Mittelständler bei Abkehr von China

Viele Hürden erschweren es deutschen Mittelständlern, sich unabhängiger von China zu machen.
Obwohl sich die Firmen der geopolitischen Risiken bewusst seien, bremsten hohe Kosten, fehlende Alternativen und regulatorische Vorgaben eine Abkehr von chinesischen Zulieferern, teilte das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) am Mittwoch unter Berufung auf eine Studie mit. Dies führe dazu, dass viele Unternehmen trotz der Risiken weiter auf bewährte Lieferketten aus der Volksrepublik setzten.
Die Firmen stünden vor einem Dilemma: Sie schätzten zwar die Risiken im Handel mit China als hoch ein, sähen aber zugleich erhebliche wirtschaftliche Nachteile bei einem Abbruch dieser Geschäftsbeziehungen. "Und selbst wenn die Unternehmerinnen und Unternehmer zum Schluss kommen, dass ein Abbau der Abhängigkeit – auch De-Risking genannt – für ihr Unternehmen sinnvoll wäre, gibt es eine Reihe an praktischen Hemmnissen", sagte IfM-Experte und Studienautor Markus Rieger-Fels. Dazu zählten neben fehlenden Alternativen vor allem die Kostennachteile. Viele Kunden seien zwar an einer Risikostreuung interessiert, aber nicht immer bereit, dafür höhere Preise zu zahlen.
Das Institut warnte die Politik davor, ein breiteres Aufstellen bei Kundenbeziehungen und Lieferketten mittels Vorgaben zu erzwingen, wie es in der EU für Großunternehmen diskutiert werde. Dies beeinträchtige die Wettbewerbsfähigkeit, sei mit neuer Bürokratie verbunden und schränke unternehmerische Spielräume ein. Stattdessen müsse man Handelsschranken zu Drittstaaten abbauen, regulatorische Hürden reduzieren und Rohstoffpartnerschaften ausbauen. Dann könnten Firmen den für sie sinnvollsten Weg gehen, um Risiken zu minimieren.
Zudem sehen die Forschenden ein Spannungsfeld zwischen dem Ziel der Risikominimierung und anderen politischen Vorgaben. "So verfolgen viele regulatorische Vorgaben im Umwelt-, Sozial- oder Gesundheitsbereich wichtige gesellschaftliche Ziele", erklärte Rieger-Fels. "Jedoch können höhere Umweltstandards, strengere Sicherheitsauflagen, Berichtspflichten über die Lieferkette oder Neugenehmigungspflichten für angepasste Produkte erhebliche Hürden für Unternehmen darstellen, die ihre Abhängigkeit von China reduzieren möchten."