Gewinnprognose für 2026 halbiertIATA: Kleinere Fluggesellschaften werden pleitegehen

Die weltweite Luftfahrtbranche hat ihre Gewinnprognose für das Jahr 2026 wegen des Nahost-Konflikts fast halbiert.
Der Weltluftfahrtverband IATA rechnet nun mit einem Nettogewinn der Branche von 23 Milliarden Dollar, wie er am Sonntag mitteilte. Zuvor war er von rund 41 Milliarden Dollar ausgegangen. Als Gründe nannte der Verband gestiegene Treibstoffkosten und gestörte Flugkorridore. Die IATA vertritt mehr als 370 Fluggesellschaften, die etwa 85 Prozent des weltweiten Flugverkehrs abwickeln.
Der Nahost-Konflikt, ausgelöst durch US-amerikanische und israelische Luftangriffe auf den Iran, zwingt Fluggesellschaften, ihre Routen um gesperrte Lufträume zu ändern. Dies führt zu längeren Flugzeiten, einem höheren Kerosinverbrauch und einer Belastung der ohnehin knappen Kapazitäten. Besonders betroffen sind demnach Fluggesellschaften aus der Golfregion wie Emirates, Qatar Airways und Etihad Airways. Die IATA geht davon aus, dass die Fluggesellschaften im Nahen Osten aufgrund des Konflikts und der schwächeren Nachfrage in die Verlustzone geraten dürften.
Die IATA erwartet, dass die Treibstoffrechnung der Fluggesellschaften in diesem Jahr auf rund 350 Milliarden Dollar ansteigen wird, nach etwa 252 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Damit macht Kerosin fast ein Drittel der Betriebskosten aus. Der Gewinn pro Passagier dürfte sich auf etwa 4,50 Dollar halbieren. "Es gibt zwei Hauptfaktoren: der deutliche Anstieg der Kerosinpreise (...) und die Störungen für die Fluggesellschaften in der Golfregion", sagte IATA-Generaldirektor Willie Walsh. Er erwarte, dass kleinere Fluggesellschaften wegen der Treibstoffkosten in Konkurs gehen werden. Der US-Billigflieger Spirit Airlines hatte im vergangenen Monat den Betrieb eingestellt und gilt als erste Fluggesellschaft, die dem Iran-Krieg zum Opfer fiel.
Gleichzeitig rechnet die IATA mit einem Umsatzanstieg von 9,4 Prozent auf rund 1,16 Billionen Dollar in diesem Jahr. Dies sei auf eine stabile Reisenachfrage, höhere Flugpreise und wachsende Einnahmen aus Zusatzleistungen zurückzuführen. Zusätzlich belasten Engpässe bei neuen Flugzeugen die Branche. Lieferverzögerungen bei Boeing und Airbus zwingen die Fluggesellschaften, ältere, weniger effiziente Maschinen länger im Dienst zu halten, was die Wartungskosten in die Höhe treibt. Walsh erklärte, da die Nachfrage robust bleibe, die Kapazitäten jedoch sänken, dürften die Flugpreise hoch bleiben.