Erster Besuch seit 20 MonatenInhaftierte Oppositionelle Kolesnikowa erwägt Bitte um Begnadigung an Staatschef Lukaschenko

Die in Belarus inhaftierte Oppositionelle Maria Kolesnikowa erwägt nach Angaben ihres Vaters, den autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko um eine Begnadigung zu bitten. "Sie denkt darüber nach", sagte Alexander Kolesnikow im Interview der Nachrichtenagentur AP am Mittwoch. Er selbst habe mit seiner Tochter über die Möglichkeit eines solchen Appells an Lukaschenko gesprochen.
Am Dienstag konnte er die 42-Jährige nach eigenen Angaben erstmals seit langer Zeit in der Klinik eines Gefängnisses bei Gomel besuchen, in dem sie ihre elfjährige Haftstrafe absitzt. Bis dahin hatten ihre Angehörigen seit mehr als 20 Monaten nichts mehr von Kolesnikowa gehört.
"Ich konnte sie endlich umarmen", sagte ihr Vater der AP. Sie sei in "relativ normalem Zustand" gewesen. Mehr könne er jedoch nicht sagen, da die Behörden das kurze Treffen mit seiner Tochter nur unter der Bedingung erlaubt hätten, dass er keine weiteren Details nenne.
Ein Foto, das Kolesnikowa und ihren Vater in inniger Umarmung zeigt, wurde im Telegram-Kanal des früheren oppositionellen Bloggers Roman Protassewitsch verbreitet, der inzwischen die belarussische Regierung unterstützt.
Kolesnikowa wurde als eine der Anführerinnen der Massenproteste bekannt, die nach der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Wiederwahl von Lukaschenko 2020 ausbrachen. Die Demonstrationen ließ der Machthaber damals blutig niederschlagen. Demonstrativ zerriss Kolesnikowa später ihren Pass, als die Behörden sie zur Ausreise zwingen wollten. 2021 wurde sie unter anderem wegen angeblicher Verschwörung zum Umsturz verurteilt. Laut der Menschenrechtsgruppe Wjasna sitzen in Belarus rund 1300 politische Häftlinge im Gefängnis.