Vor HauptversammlungInvestoren warnen Volkswagen vor schleichendem Abstieg ohne Neuausrichtung

Der Volkswagen-Vorstand muss sich bei seiner Hauptversammlung am Donnerstag auf scharfe Kritik einstellen.
"Volkswagen riskiert ohne konsequente Neuaufstellung einen schleichenden Abstieg", sagt Tanja Bauer von der Fondsgesellschaft Deka laut Redetext vom Dienstag. Die Kursentwicklung der Aktie sei enttäuschend, der Markt traue VW offensichtlich keine nachhaltige Trendwende zu. Besonders beunruhigend sei, dass Volkswagen in den wichtigen Märkten an Boden verliere. "Wenn Absatz, Marge und Wettbewerbsfähigkeit gleichzeitig unter Druck geraten, hilft es wenig, auf einzelne Liquiditätseffekte zu verweisen", sagte sie. "Aktionäre brauchen keine Beruhigungspille, sondern ein Geschäftsmodell, das wieder verlässlich Rendite produziert."
Im vergangenen Jahr war der Gewinn bei Volkswagen eingebrochen. Der Barmittelzufluss fiel dagegen deutlich besser aus als erwartet. Das scheine vor allem auf Timing, Working-Capital-Effekten und zurückgehaltene Investitionen zurückzuführen zu sein, sagt Bauer.
Angesichts der Schwierigkeiten bei VW seien die Sparmaßnahmen ein Schritt in die richtige Richtung, sagt Bauer. Allerdings dürften sie nicht ausreichen, um die Zielrendite von acht bis zehn Prozent zu erreichen. "Ihr Konzern muss Komplexität abbauen, Prioritäten setzen und sich konsequenter auf Produkte und Märkte konzentrieren, mit denen sich wirklich Geld verdienen lässt." In Europa wachse der Druck durch sinkende Margen und schrumpfende Märkte. In den USA stiegen die Anlaufkosten für die Marke Scout, der Produktionsstart verzögere sich. Der wichtigste und schwierigste Markt bleibe China, wo Volkswagen zwar wieder Marktanteile gewinne, aber der Gewinnbeitrag massiv gesunken sei.
Volkswagen kommt nach den Worten seines Chefs Oliver Blume bei den Sparbemühungen voran. So seien die Fabrikkosten an den deutschen Standorten um mehr als ein Fünftel reduziert worden, sagt er auf der Hauptversammlung laut Redetext. Volkswagen hat sich Ende 2024 mit der Gewerkschaft auf ein Sparprogramm und den Wegfall von 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland geeinigt. Doch seither habe sich der Gegenwind verschärft, sagte Blume bei der Vorlage der Bilanz zum abgelaufenen Jahr. Er will nun die Strategie grundlegend neu ausrichten und nimmt dafür die Strukturen des Konzerns genau unter die Lupe.