Gesundheitsversorgung gefährdetJeder Zehnte in Afghanistan droht Verlust des Zugangs zu medizinischer Hilfe

Jeder zehnte Mensch in Afghanistan könnte bis Ende des Jahres den Zugang zu medizinischer Versorgung verlieren. Grund für die verschlechterte Gesundheitslage sei die Einstellung von US-Hilfsgeldern für Afghanistan und die dadurch folgende Schließung hunderter Gesundheitszentren, sagte der Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für das Land, Edwin Ceniza Salvador, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP in Kabul.
"Ungefähr drei Millionen" der rund 45 Millionen Afghanen hätten seit Januar bereits keinen Zugang mehr zu medizinischer Versorgung, sagte Salvador. Bis Ende des Jahres 2025 könnten "zwei bis drei Millionen weitere Menschen" ebenfalls den Zugang zu Gesundheitsversorgung verlieren.
Nach jahrelanger westlicher Militärpräsenz hatten die radikalislamischen Taliban im August 2021 die Macht in Afghanistan zurückerobert und ein sogenanntes islamisches Emirat ausgerufen. Seither setzen sie ihre strenge Auslegung des Islams mit drakonischen Gesetzen durch und beschneiden insbesondere Frauenrechte. Die afghanische Bevölkerung leidet seit der Machtübernahme zudem unter ausbleibenden Hilfen, die Wirtschaft steckt in einer Krise und die Sicherheitslage im Land ist weiter fragil.
Die USA haben derweil unter Präsident Donald Trump ihre internationalen Hilfen massiv zurückfahren. Das könnte zahlreiche arme Länder schwer treffen.