Umfrage des IfoJedes zwölfte Unternehmen in Deutschland sieht seine Existenz bedroht

Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage sehen in Deutschland rund acht Prozent der Unternehmen ihre Existenz bedroht.
Branchenübergreifend belasteten drei Probleme die Unternehmen: fehlende Aufträge und schwache Nachfrage, steigende Betriebs- und Energiekosten sowie eine zunehmend belastende Bürokratie, teilte das Ifo am Montag mit. Viele Betriebe berichten demnach von zunehmenden Liquiditätsengpässen, weil deren Kunden sparen oder insolvent werden. "Die Krise überträgt sich entlang der Lieferketten, erläuterte der Chef der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. "Wenn Kunden wegbrechen oder Aufträge stornieren, trifft das die Zulieferer und Dienstleister mit voller Wucht." Er rechnet damit, dass die Insolvenzzahlen in den kommenden Monaten auf einem hohen Niveau bleiben.
Laut der Umfrage des Ifo ist die Lage besonders kritisch im Einzelhandel. 17,4 Prozent der Unternehmen sehen sich dort existenziell bedroht, das ist nach Angaben des Instituts ein neuer Höchststand. Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher sei das beherrschende Thema. Zusätzlich belasten der wachsende Online-Handel und Billiganbieter aus dem Ausland die Geschäfte. Im Handel insgesamt - also im Groß- und Einzelhandel - fürchten demnach 1,6 Prozent aller Unternehmen, dass sie ihr Geschäft aufgeben müssen. Bei den Dienstleistern sehen sich laut Umfrage 7,6 Prozent der Unternehmen in ihrer Existenz bedroht. In den Bereichen Beherbergung und Gastronomie liege der Wert aber bei fast zwanzig Prozent. Auch in der Werbung und Marktforschung sei der Anteil mit 14,3 Prozent überdurchschnittlich hoch.
In der Industrie dagegen sei die Existenzbedrohung leicht auf 7,5 Prozent zurückgegangen, teilte das Ifo mit. Dennoch bleibe der Druck erheblich: Hohe Energie- und Rohstoffkosten sowie internationale Wettbewerbsnachteile gegenüber asiatischen Anbietern belasteten vor allem exportorientierte Branchen. Im Bauhauptgewerbe stieg der Anteil laut Ifo leicht auf 7,3 Prozent. Der Auftragseinbruch im Wohnungsbau halte an; lange Genehmigungsverfahren und die Zurückhaltung der Banken bei der Baufinanzierung belasteten den Sektor.