Kehrtwende bei GaspolitikBundesregierung plant staatliche Gasreserve

Die Bundesregierung plant einem Medienbericht zufolge nun doch eine staatlichen Gasreserve.
Das Wirtschaftsministerium habe ein Konzept erarbeitet, wonach künftig zehn Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten als Notfallreserve vorgehalten werden sollen, berichtete das "Handelsblatt" am Freitag unter Berufung auf Regierungskreise. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg darüber berichtet. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums wollte den Bericht nicht bestätigen, erklärte jedoch, man erarbeite derzeit ein zusätzliches Instrument zur Absicherung gegen externe Schocks.
Dem Bericht zufolge soll die Reserve eine Größe von etwa 24 Terawattstunden haben und die Versorgung in einem normalen Winter für etwa zwei Wochen sichern, falls alle Gasimporte ausfallen sollten. Die einmaligen Kosten würden auf 500 Millionen bis 1,5 Milliarden Euro beziffert, die jährlichen Betriebskosten auf bis zu 165 Millionen Euro. Der Ministeriumssprecher erklärte, die geplante strategische Reserve solle strikt vom Markt getrennt als reine Krisenvorsorge dienen, um den Markt nicht zu verzerren. Man befinde sich dazu weiter in Gesprächen.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte lange gezögert, ein solches Instrument einzuführen. Der Markt funktioniere, die nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 aufgebauten Terminals für Flüssigerdgas (LNG) reduzierten den Speicherbedarf.
Hintergrund der Pläne ist, dass sich das Geschäftsmodell für Speicherbetreiber zunehmend als unwirtschaftlich erweist. Anders als vor dem Ukraine-Krieg, als günstiges russisches Pipeline-Gas im Sommer eingespeichert wurde, setzen Händler nun auf kurzfristige Beschaffung. Dies macht die langfristige Einspeicherung unattraktiv. In der Branche wird dem "Handelsblatt" zufolge zudem bezweifelt, dass LNG-Terminals die Speicher ersetzen können. Während der Kältewellen im vergangenen Winter seien die Speicher für den Großteil der Versorgungssicherheit verantwortlich gewesen.