Wegen Protesten im IranKritik nach Gastbeitrag von Irans Außenminister im "Wall Street Journal"

Die brutalen Repressionen im Iran wurden international scharf verurteilt. Irans Außenminister schreibt nun einen Meinungsbeitrag im "Wall Street Journal". Das sorgt für Kritik.
Nach einem Gastbeitrag von Irans Außenminister Abbas Araghtschi im "Wall Street Journal" sieht sich das Blatt Kritik ausgesetzt. Die auf Internetsperren spezialisierte Organisation Netblocks schrieb aus Protest einen Brief an die Redaktion der US-Zeitung, wie aus einem Beitrag auf der Plattform X hervorgeht. Darin forderte sie eine Erklärung, wie der Artikel zur Veröffentlichung eingereicht wurde - und ob dabei womöglich das Internet genutzt wurde, während der iranischen Öffentlichkeit wegen der anhaltenden Sperre die Möglichkeit verwehrt bleibt, ihre Sicht darzulegen.
In dem Artikel verteidigt der Minister das gewaltsame Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte, die in den Nächten des 8. und 9. Januar Tausende Demonstranten getötet haben sollen. "Maskierte Terroristen nutzten Gewehre und Handfeuerwaffen, um in Proteste einzudringen", schrieb Araghtschi im "Wall Street Journal". "Dank des Eingreifens unserer mutigen Sicherheitskräfte sowie der Wachsamkeit und Zusammenarbeit der Bevölkerung konnten Terrorzellen aufgespürt und ausgeschaltet werden", hieß es weiter.
Araghtschi: "Es ist Zeit, anders zu denken."
Die Proteste im Iran waren Ende Dezember ausgebrochen. Ausgelöst durch die schwere Wirtschaftskrise im Land gingen zunächst Händler auf die Straßen. Vor gut zwei Wochen kam es in den Metropolen zu Massenprotesten, die brutal niedergeschlagen wurden. US-Präsident Donald Trump drohte der Führung in Teheran wiederholt mit einem Eingreifen. Im Wall Street Journal zeigte sich Araghtschi bereit für neue Verhandlungen und schrieb: "Es ist Zeit, anders zu denken. Versuchen Sie es mit Respekt."
In den sozialen Medien wurde neben der Zeitung auch der Minister für seinen Artikel scharf attackiert. Unter einem Beitrag, den Araghtschi auf X teilte, finden sich unter inzwischen mehr als 500 Antworten auch viele Beleidigungen und Kritik. "Du solltest dich schämen. Ein Großteil dieses Blutes klebt an deinen Händen", schrieb ein Nutzer. "Wenn Sie nichts zu verbergen haben, warum dann das Internet abschalten?", fragte ein anderer. Seit fast zwei Wochen ist die Bevölkerung im Iran inzwischen vom Internet abgeschnitten.