Kurswechsel in WirtschaftskriseKubanische Regierung ruft Exil-Kubaner zu Investitionen auf

Kuba betreibt angesichts der schweren Wirtschaftskrise einen Kurswechsel und sucht Hilfe bei den im Ausland lebenden Landsleuten.
Die Regierung rief die Exil-Kubaner dazu auf, in Unternehmen auf der Insel zu investieren und zu erwerben. "Die Türen stehen offen", sagte der stellvertretende Ministerpräsident Oscar Perez-Oliva Fraga im Staatsfernsehen. Das Angebot richtet sich an eine Gruppe, die sich traditionell für harte Wirtschaftssanktionen gegen die kommunistische Regierung eingesetzt hat. Bislang war es seit 2021 nur auf der Insel lebenden Kubanern erlaubt, Privatunternehmen zu gründen und zu betreiben. "Es gibt keine Beschränkungen", sagte Perez-Oliva Fraga nun, der auch das Außenhandelsministerium leitet.
Mit dem Kurswechsel will die Regierung die zusammengebrochene Wirtschaft des Landes wiederbeleben. Die Lage wird durch eine von den USA verhängte Ölblockade und Sanktionen verschärft. Diese führen zu Stromausfällen sowie Engpässen bei Treibstoff, Lebensmitteln und Medikamenten. Die politische Wende kommt wenige Tage, nachdem Kuba Gespräche mit den USA bestätigt hatte. Der Ökonom Paolo Spadoni von der Augusta University nannte den Schritt "pragmatisch". Er sei ein "wichtiger und potenziell folgenschwerer erster Schritt", auch wenn große Hindernisse blieben. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt den Druck auf Havanna erhöht und erklärt, er erwarte, dass ihm die "Ehre" zuteilwerde, "Kuba in irgendeiner Form zu übernehmen".
In Kuba war zu Wochenbeginn das landesweite Stromnetz zusammengebrochen. Rund zehn Millionen Menschen waren ohne Strom, wie der staatliche Netzbetreiber UNE mitteilte. Das Unternehmen untersuche derzeit die Ursachen für den Blackout. Der Vorfall ist der jüngste in einer Reihe von großflächigen Stromausfällen, die teilweise Tage andauern. Am Wochenende hatten diese zu seltenen gewaltsamen Protesten in dem kommunistisch regierten Land geführt.
Die Energieversorgung der Karibikinsel stützt sich hauptsächlich auf veraltete, ölbefeuerte Kraftwerke. Venezuela spielte lange eine zentrale Rolle bei der Ölversorgung. Allerdings nahmen die USA Anfang Januar den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro in Venezuela fest und überführten ihn in die USA. Präsident Trump hat venezolanische Öllieferungen nach Kuba unterbunden und drohte jedem Land mit Zöllen, das Öl an die Insel verkauft. Kubas Präsident Miguel Diaz-Canel erklärte vergangene Woche, sein Land habe seit drei Monaten keine Treibstofflieferungen mehr erhalten.