"Zwischen null und zwei Prozent"Schweizer Notenbank: KI kann Inflation anschieben

Künstliche Intelligenz kann nach Einschätzung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) kurz- bis mittelfristig Inflationsdruck erzeugen.
Künstliche Intelligenz kann nach Einschätzung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) kurz- bis mittelfristig Inflationsdruck erzeugen. "Es werden Investitionsströme teilweise umgelenkt, was für den Rest der Wirtschaft Anpassungsbedarf und Schwierigkeiten bedeuten kann", erklärte SNB-Direktoriumsmitglied Petra Tschudin in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Zeitung "Finanz und Wirtschaft". Eine mögliche Knappheit etwa bei Computerchips könne zu anziehenden Preisen führen. "In der kurzen oder der mittleren Frist kann also auch Inflationsdruck nach oben entstehen."
Längerfristig könne KI die Produktivität steigern. "Das sollte das Preisniveau senken", erklärte Tschudin weiter. Produktivitätsfortschritte an sich seien allerdings kein neues Phänomen. "Sie führen eine Wirtschaft nicht per se in eine strukturelle Deflation."
Im Juli lag die Jahresteuerung in der Schweiz bei 0,4 Prozent und damit deutlich unter den Werten in anderen Währungsräumen. Gleichzeitig beließ die SNB den Leitzins im Juni bei null Prozent auf dem niedrigsten Niveau aller größeren Währungsräume. Richtschnur für die Geldpolitik der SNB ist eine Inflation zwischen null und zwei Prozent.
Die bedingte Inflationsprognose der SNB, die zeigen soll, wie sich die Inflation bei einem stabilen Leitzins über die kommenden drei Jahre entwickelt, deutet gegenwärtig keinen Handlungsbedarf an. Tschudin warnte indes davor, aus der Prognose zu viel herauszulesen. "Die bedingte Inflationsprognose ist nicht so zu verstehen, dass die Zinsen drei Jahre auf dem Niveau bleiben werden, auf dem sie derzeit sind."