Einsatz von KindersoldatenUrteile im Prozess um Kriegsverbrechen in Zentralafrika

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag verkündet am Donnerstag (14.00) seine Urteile im Prozess um Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Zentralafrikanischen Republik. Angeklagt sind der frühere Politiker Alfred Yekatom (heute 50) und der einstige Sportminister Patrice-Edouard Ngaïssona (58). Die Staatsanwaltschaft beim Weltstrafgericht wirft den beiden einstigen Befehlshabern von Milizen unter anderem Morde, Folter, Deportationen, Vergewaltigungen und den Einsatz von Kindersoldaten in der Zeit zwischen Dezember 2013 und Dezember 2014 vor.
Die Angeklagten wurden 2018 aufgrund von Haftbefehlen des IStGH in Frankreich festgenommen und nach Den Haag überstellt. In dem Anfang 2021 eröffneten Prozess erklärten sich beide für unschuldig. Das Gericht befragte 112 Zeugen der Anklage und 55 Zeugen der Verteidigung. Nach Darstellung der Anklagevertretung hatten Ngaïssona - er war seinerzeit auch Präsident des Zentralafrikanischen Fußballverbandes - und Yekatom zum engeren Kreis rund um Ex-Präsident Francois Bozizé gehört, der einen Staatsstreich plante. Dazu seien die vorwiegend christlichen Anti-Balaka-Milizen aufgebaut, bewaffnet und finanziert worden.
Die Angeklagten sollen gezielt Angriffe auf die muslimische Bevölkerung geplant, befohlen und mit ausgeführt haben. "Diese Angriffe waren wesentliche Teile einer Strategie um Bozizé wieder zur Macht zu verhelfen", erklärte Ankläger Kweku Vanderpuye. Die Zentralafrikanische Republik, deren rund sechs Millionen Einwohner zu den ärmsten Menschen der Welt gehören, ist seit Jahren immer wieder Schauplatz blutiger Kämpfe verschiedener Gruppierungen. Oft geht es dabei um die Kontrolle über Rohstoffen wie Diamanten, Uran und Gold sowie landwirtschaftliche Ressourcen.
Staatschef Bozizé war 2013 von den überwiegend muslimisch geprägten Rebellenallianz Seleka gestürzt worden. Es folgten Jahre schwerer Kämpfe mit den christlichen Anti-Balaka-Milizen. Die derzeitige Regierung von Präsident Faustin-Archange Touadéra stützt sich auch auf russische Söldner der Wagner-Gruppe, um die Milizen im Schach zu halten. Seit dem Beginn des Bürgerkrieges kamen Tausende Menschen gewaltsam ums Leben, mehr als eine halbe Million wurden UN-Angaben zufolge zu Vertriebenen im eigenen Land.