Verleihung des Friedensnobelpreises am 10. DezemberVenezuela: Oppositionsführerin Machado gilt bei Verlassen des Landes als "flüchtig"

Die Staatsanwaltschaft in Venezuela hat damit gedroht, die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado im Falle ihrer Teilnahme an der Friedensnobelpreisverleihung in Norwegen als "Flüchtige" zu betrachten.
Sollte sich Machado außerhalb Venezuelas aufhalten, gelte sie als "flüchtig", erklärte Generalstaatsanwalt Tarek William Saab. Er begründete dies damit, dass gegen Machado zahlreiche strafrechtliche Ermittlungen wegen "Verschwörung, Aufstachelung zum Hass und Terrorismus" liefen. Zudem werde gegen sie wegen ihrer Unterstützung für den Einsatz von US-Streitkräften in der Karibik ermittelt.
Die venezolanische Opposition hatte Machado im vergangenen Jahr zur Präsidentschaftskandidatin gekürt. Sie galt als Favoritin gegen den Amtsinhaber Maduro - bis die Behörden ihr die Kandidatur untersagten. Die Oppositionspolitikerin wird von ihren Anhängern als "La Libertadora" gefeiert, als "Befreierin". Obwohl ihr in ihrer Heimat die Festnahme droht und zahlreiche Oppositionelle im Gefängnis sitzen, hat sie das Land nicht verlassen, sondern ist untergetaucht. Sie tritt unangekündigt auf, hält etwa eine Rede auf der Ladefläche eines Lieferwagens und flieht anschließend auf einem Motorrad.
Am 10. Oktober wurde Machado mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Anschließend dankte sie US-Präsident Donald Trump für seinen Einsatz in Venezuela. Sie hatte ihre Absicht bekundet, den Preis am 10. Dezember in Oslo entgegennehmen zu wollen. Inmitten der anhaltenden Spannungen zwischen Venezuela und den USA wegen des US-Militäreinsatzes in der Karibik hatte Machado vor zwei Tagen in einer Videobotschaft von "der Schwelle zu einer neuen Ära" ohne den linksnationalistischen Präsidenten Nicolás Maduro gesprochen. "Der lange und gewalttätige Machtmissbrauch dieses Regimes nähert sich einem Ende", sagte sie darin.
Seit September greift die US-Marine immer wieder Boote mutmaßlicher Drogenschmuggler in der Karibik und im östlichen Pazifik an. Die USA werfen Venezuela vor, den Drogenschmuggel in die Vereinigten Staaten zu fördern und damit die Sicherheit der USA und ihrer Bürger zu gefährden. Venezuelas linksnationalistischer Präsident Maduro vermutet dagegen US-Pläne zu seinem Sturz. Die US-Regierung sieht Maduro nicht als rechtmäßigen Präsidenten Venezuelas an.