IWH befürchtet RezessionWirtschaftsökonomen erwarten Inflationsrate von 9,5 Prozent

Den Deutschen steht dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle zufolge bei der Inflation das Schlimmste erst noch bevor. Die Verbraucherpreise dürften im kommenden Jahr um durchschnittlich 9,5 Prozent steigen, wie aus der veröffentlichten Herbstprognose hervorgeht. Damit dürften sie noch einmal deutlich schneller zulegen als im laufenden Jahr mit 7,9 Prozent.
"Die privaten Haushalte werden gezwungen sein, ihre sonstigen Konsumausgaben zu verringern, was einen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion zur Folge haben wird", sagte IWH-Vizepräsident Oliver Holtemöller angesichts starker Heiz- und Stromkostensteigerungen. Eine Beruhigung sagen die Forscher erst für 2024 voraus: Dann soll die Inflationsrate auf 2,7 Prozent sinken.
Da der private Konsum einen Großteil der Wirtschaftsleistung ausmacht, hat der erwartete Kaufkraftverlust durch die hohe Inflation auch stark negative Folgen für die Konjunktur. Demnach wird das Bruttoinlandsprodukt 2023 um 1,4 Prozent sinken, nachdem es in diesem Jahr noch um 1,1 Prozent wachsen soll. "Die deutsche Wirtschaft steht vor einer Rezession", fasste das IWH seine Prognose zusammen. "Grund ist der enorme Anstieg der Preise für fossile Energieträger."
Auf dem Arbeitsmarkt soll sich die Krise aber vorerst nicht so stark bemerkbar machen. Im Gegenteil: Die Zahl der Erwerbstätigen soll bis 2024 auf 45,9 Millionen steigen, das wären rund 900.000 mehr als 2021. Die Zahl der Arbeitslosen soll um die Marke von 2,5 Millionen pendeln. Allerdings könne es im kommenden Winterhalbjahr wieder mehr Kurzarbeit geben, so die Ökonomen aus Halle. Auch die Neuverschuldung des Staates dürfte sich in Grenzen halten. Lag das gesamtstaatliche Finanzierungsdefizit im vergangenen Jahr noch bei 3,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, soll es 2023 trotz der erwarteten Rezession auf 1,1 Prozent fallen - vor allem, weil sich Steuer- und Beitragseinnahmen spürbar erhöhen sowie Pandemiehilfen und ein Teil der Maßnahmen aus den Entlastungspaketen bereits wieder entfallen.