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"Auf einem sehr hohen Niveau"Wohnkosten für Studierende steigen weiter schneller als die Inflation

23.03.2026, 15:15 Uhr
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Die Wohnkosten für Studentinnen und Studenten sind auch im vergangenen Jahr deutlich gestiegen.

Die Wohnkosten für Studentinnen und Studenten sind auch im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Wie eine am Montag veröffentlichte Auswertung des Moses Mendelssohn Instituts ergab, stieg der Preis für ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft 2025 um 3,9 Prozent auf durchschnittlich 512 Euro pro Monat. Der Anstieg liegt demnach erneut oberhalb der allgemeinen Inflationsrate.

"Die Dynamik der Mietsteigerungen hat etwas nachgelassen, die Preise verharren jedoch auf einem sehr hohen Niveau", erklärte das Institut. Auch wenn sich im Vergleich zur Entwicklung der Vorjahre insgesamt "auf den ersten Blick eine Stabilisierung" zeige, "verschärft sich die Situation aber für viele Wohnungssuchende", erklärte der Geschäftsführende Direktor des Instituts, Stefan Brauckmann. "Vor allem im unteren Preissegment wird der Spielraum kleiner."

Die Kosten variieren der Analyse zufolge nach Hochschulstandort stark. So muss in München unverändert mit 800 Euro pro Monat gerechnet werden, in Berlin mit 650 Euro. In Hamburg stiegen die Wohnkosten von 620 auf 650 Euro, in Köln von 600 auf 620 Euro. Im Ländervergleich zeigt sich den Angaben zufolge ein West-Ost-Gefälle, das sich allerdings langsam abschwächt.

Die aktuelle Bafög-Wohnkostenpauschale von 380 Euro reiche damit in weiten Teilen des Marktes nicht mehr aus, erklärte das Institut. Selbst eine diskutierte Anhebung auf 440 Euro würde nicht genügen, um die gestiegenen Wohnkosten aufzufangen.

"Die Bafög-Wohnkostenpauschale ist dramatisch zu niedrig, mit ihr kann man sich kaum ein durchschnittliches WG-Zimmer leisten", erklärte auch der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Studierendenwerks (DSW), Matthias Anbuhl. "Und ausgerechnet in dieser Lage steckt die längst versprochene Bafög-Novelle im Bundeskabinett fest." Anbuhl appellierte an Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD): "Lassen Sie die junge Generation nicht hängen."

Wie im Koalitionsvertrag angekündigt, müsse die Wohnkostenpauschale zum kommenden Wintersemester steigen, forderte Anbuhl. "Das anvisierte Plus von 380 auf 440 Euro ist dabei die absolute Unterkante." Ein "echter Lichtblick" sei aber das Bund-Länder-Programm Junges Wohnen. Mit dessen Hilfe seien 2025 knapp 20.000 Plätze für studentisches Wohnen im Bau oder in Planung gewesen. Einige Länder nutzten das Programm aber noch nicht gut genug.

Die Linke im Bundestag kritisierte, nur rund zehn Prozent aller Studierenden hätten einen öffentlich geförderten Wohnheimplatz. Für viele sei die Knappheit an bezahlbarem Wohnraum "längst zu einer existenziellen Bedrohung" geworden. Dies sei "ein wohnungspolitisches Armutszeugnis für die Bundesregierung", erklärte die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Nicole Gohlke. "Die im Koalitionsvertrag versprochene 'WG-Garantie' verkommt angesichts der Untätigkeit der Regierung zu einer reinen Luftnummer."

Das Moses Mendelssohn Institut wertete nach eigenen Angaben die Wohnungskosten für alle 89 deutschen Hochschulstandorte mit über 5000 Studierenden aus. Das Institut untersucht seit 2011 die Wohnungsmärkte für Studierende und Auszubildende in Deutschland.

Quelle: ntv.de, AFP

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